Lederpieta in der Pfarrkirche St. Peter und Paul

Das Vesperbild gehört zu den ältesten Kunstwerken der Stadt Eschweiler. Es wurde im 14. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler geschaffen. Nicht nur das Alter sondern auch der selten verwandte Grundstoff Leder machen es bemerkenswert. Laut einer Anfrage beim Deutschen Ledermuseum in Offenbach gibt es nur im hessischen Dieburg zwei ähnlich angefertigte Gruppen.

Das Vesperbild ist 124 cm hoch und am Sockel 70 cm breit. Sockel und Gestalt der Maria sind hohl. Nur die Hände der Madonna sind aus Holz geschnitzt, jedoch kann man die Lederplastik äußerlich kaum von einer alten Holzplastik unterscheiden.

Die Figur besteht aus mehreren Schichten: 1. Lederschicht, ca. 2 mm dick, eine Schicht Leinen, 2. Lederschicht, wieder eine Leinenschicht, eine 2 mm dicke Tonschicht als Modeliergrund für Feinheiten, Bemalung (Gesamtstärke ca 1 cm). Diese Ausfertigung wählte man wahrscheinlich, um das Gewicht zu mindern, da das Bild bei Bittprozessionen durch die Straßen Eschweilers getragen wurde.

Als im Jahre 1678 die Kirche mitsamt reicher Ausstattung in Flammen aufging, wurde einzig das Bildnis der Mutter Gottes aus der brennenden Kirche gerettet, was vielleicht die Bedeutung des Bildes für die damalige Bevölkerung herausstellt.

Nach mündlicher Überlieferung soll es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in einer Nische des Mutter-Gottes-Altares gestanden haben. 1821 übernahm Pfarrer Anton Ackermann die Pfarre in einem heruntergekommenen Zustand. „Friedhof und Kirche waren in einem unwürdigen Zustand; der Turm der Kirche drohte einzustürzen und das Dach der Kirche war zur Nordseite hin so durchlöchert, dass die Gewölbemauern durch die Niederschläge feucht waren." Pfarrer Ackermann mobilisierte die ganze Gemeinde und von 1822-1824 wurde die Kirche zuerst außen (Kirchturm und Dach) und dann auch innen restauriert und schmuckvoll verziert. 1824 wurden die Arbeiten mit Anbringung der Kreuzgruppe (Christus, Jungfrau Maria und Hl. Johannes) an der Nordseite abgeschlossen.

Wo sich das Vesperbild zu dieser Zeit befand ist nicht bekannt. Man hat es 1870 in einem Abstellraum des Kirchturmes wieder entdeckt und es wieder an den ursprünglich angestammten Platz in der Nische des Mutter-Gottes-Altares (heute Krieger-Gedächtniskapelle) aufgestellt.