Erholungsgebiet Blausteinsee

Die rheinische Braunkohle kann wegen der lockeren Deckschichten aus Kies, Sand und Ton nur im Tagebau, also in offenen Gruben gewonnen werden. Entsprechend greift der Bergbau in die Landschaft ein. Aber diese Eingriffe sind vorübergehend. Dem Bergbau folgen vielseitig nutzbare und ökologisch wertvolle Rekultivierungsbereiche.

Im Jahr 1987 wurde im Tagebau Zukunft-West zwischen Eschweiler und Aldenhoven die letzte von 530 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Der letzte Absetzer verließ den Tagebau Zukunft-West im Frühjahr 1994.

Heute ist das Gelände sorgfältig rekultiviert. Rund um den Blausteinsee ist ein Naherholungsgebiet entstanden. Es bietet Wander- und Naturfreunden aus der Umgebung ein abwechslungsreiches Freizeitangebot.

Das ehemalige Abbaufeld der Tagebaue Zukunft und Zukunft-West ist knapp 23 Quadratkilometer groß. Wo sich früher der Tagebau ausdehnte, liegen heute vor allem fruchtbare Ackerflächen. Die Rekultivierung ist - wie die Landschaft vor dem Tagebau - landwirtschaftlich geprägt.

Am südlichen Rand des ehemaligen Tagebaus entstand ein rund 180 Hektar großes Naherholungsgebiet. Sein Herz ist der Blausteinsee: "Blaustein" ist die alte Bezeichnung für dieses Flurstück. Das Gewässer wird von keinem Fluß oder Bach, sondern vorübergehend mit Brunnenwasser von Rheinbraun gespeist. Jede Sekunde fließen rund 350 Liter Wasser in den See. Zwar versickert ein Großteil und hebt so langsam den Grundwasserspiegel an, dennoch steigt der Wasserspiegel des Sees stetig. Voraussichtlich im Jahre 2005 wird er seine endgültige Größe erreicht haben. Dann wird der Blausteinsee rund 100 Hektar groß und 46 Meter tief sein. Er wird in Zukunft ausschließlich von Grund- und Niederschlagswasser versorgt.

Wasserfüllung und der Bau von Freizeiteinrichtungen in dem Naherholungsgebiet sind Aufgabe der Blausteinsee GmbH, einer kommunalen Trägergesellschaft. Sobald der See seine endgültige Größe erreicht hat, soll er Ruderern, Seglern und Windsurfern ein breites Freizeitangebot bieten. Schon jetzt ist das Erholungsgebiet Blausteinsee ein beliebtes Ausflugsziel.

Der See wird umgeben von einem 80 bis 130 Meter breiten Grüngürtel mit Laubbäumen, Sträuchern, Wiesen und sich selbst überlassenen Flächen. Auf sechs Kilometer Wanderwegen können Erholungssuchende die Natur genießen. Wer den neuen Freizeitbereich hoch zu Roß genießen will, hat auf den separaten Reitwegen die Möglichkeit dazu.

Schlangengrabental

An den Blausteinsee schließt sich nach Norden das Schlangengrabental an. Auf den Böschungen der rund 3,5 Kilometer langen und zwischen 150 und 400 Meter breiten Mulde wächst ein junger Wald heran. Dagegen zeigt die Talsohle größere, zusammenhängende Freiflächen. Einige Bereiche des Tales sind als feuchte oder wechselfeuchte Biotope angelegt worden. An anderen Stellen wurden verschiedene, zum Teil bewußt karge Bodensubstrate aufgebracht. Am Anfang siedelten sich in den nährstoffarmen, trockenen Bereichen Pionierpflanzenarten an, deren Samen vom Wind oder von Vögeln herangetragen worden sind. Im Laufe der nächsten Jahre werden sich dort von ganz allein Veränderungen in Tier- und Pflanzenwelt ergeben. Als ökologische Nischen sollen diese Flächen die Vielfalt von Fauna und Flora erhöhen.

Die natürliche Entwicklung im Schlangengrabental läuft weitgehend ungestört durch menschliche Einflüsse ab. Nur an wenige Stellen durchqueren Wanderwege das Tal.

Das Schlangengrabental nimmt heute nur Regenwasser von den umliegenden Feldern auf und leitet es nach Norden in naturnah gestaltete Überlaufbecken weiter. Später wird es auch das bei heftigen Niederschlägen aus dem Blausteinsee überlaufende Wasser aufnehmen. So erfüllt der Graben neben dem ökologischen auch einen wasserwirtschaftlichen Zweck. Er wird allerdings nur nach starken Regenfällen Wasser führen, weil die Lößböden in der angrenzenden Bördenlandschaft sehr viel Feuchtigkeit speichern können.

Moderne Rekultivierung

Wer die bepflanzten Böschungen an Blausteinsee und Schlangengrabental genau betrachtet, bemerkt die rippenförmige Bodenstruktur: Spuren, die der Absetzer hinterlassen hat. Bei der Verkippung hat er seinen Abwurfausleger nach rechts und links geschwenkt und den Forstkies - ein Substrat aus Kies Lind Lößlehm - locker aufeinander fallenlassen. Anschließend sind die Flächen nicht eingeebnet worden, damit der Boden nicht verdichtet wird und er besser Wasser aufnehmen kann.

Sämtliche Sträucher und Bäume wurden von Hand und nicht mit Maschinen gepflanzt; auch dies half Bodenverdichtungen zu vermeiden. Die Förster setzten hauptsächlich Buchen, Eichen, Linden, Ahorne und Wildobstbäume, also Gehölze der im Rheinland üblichen natürlichen Vegetation. Im Grenzbereich zum offenen Feld wurden auch die Laubhölzer Walnuß, Ulme, Vogelbeere, Elsbeere sowie heimische Straucharten gepflanzt. Zur optischen Auflockerung und als Wildunterstand im Winter dienen vereinzelt die Nadelbaumarten Schwarzkiefer und Douglasie. Auch die Straucharten Wildrose, Schwarzdorn und Schlehe sind in der forstlichen Rekultivierung zu finden; Ginster siedelte sich von selbst an.

Landwirtschaft und Artenschutz

Natur- und Artenschutz spielen auch in der landwirtschaftlichen Rekultivierung eine große Rolle. Das wiederhergestellte fruchtbare Ackerland soll zwar zunächst den Landwirten eine sichere Produktions- und damit Existenzgrundlage bieten. Doch es soll auch Lebensraum für wildlebende Tiere und Pflanzen sein. Beides läßt sich verbinden: Hecken, schmale Feldgehölze, Ackerrandstreifen und naturbelassene Entwässerungsgräben lockern das Bild der neuen Agrarlandschaft auf. Daneben sichern sie einer Vielzahl von Tieren auf kleinem Raum das Überleben. Darüber hinaus wirken sie als Bindeglieder zwischen den einzelnen Landschaftsteilen. Denn nicht die Trennung der Nutzungsarten, sondern ihre Vemetzung sichert den ökologischen Wert der neuen Landschaft.

Selbst Wege können einen wichtigen Beitrag zur Ökologie leisten: Grüne Wirtschaftswege bilden mit ihren mageren Bodensubstraten einen besonderen Lebensraum. Dagegen sind asphaltierte, aber auch vegetationslose Wege oft unüberwindbare Hindernisse für Arten der Bodenfauna. Deshalb werden verkehrsarme Wege mit robustem Rasen bedeckt. Das macht diese Barrieren durchlässig für Spinnen und Laufkäfer.

Tierwelt

Verschiedene, zum Teil seltene Tierarten haben sich bereits rund um den Blausteinsee niedergelassen. Die Förster geben der Tierwelt nur kleine Hilfestellungen: zum Beispiel hölzerne Sitzstangen, die den Greifvögeln als Ansitzwarte dienen, bis die jungen Bäume ihr Gewicht tragen können. Waldbienen und bestimmte Wespenarten nisten in den aufgestellten Insekten-Nisthölzern.

Vogelkundler haben am Blausteinsee die Rohrweihe, die Wiesenweihe und den Zwergadler beobachtet, die extrem selten sind. Eine Besonderheit ist, daß Hunderte von Heringsmöwen auf dem See übernachten. In den angrenzenden Äckern hört man die Wachtel schlagen und die Rufe der Grauammer. Auch Rebhuhn, Schafstelze und Dorngrasmücke kann man beobachten. Zahlreiche Insekten-, Schmetterlings- und Käferarten sind eingewandert. Auch Kreuz- und Wechselkröte sind am Schlangengraben heimisch geworden.

Kein Nachbau von Natur

Natürlich ist die Rekultivierung im ehemaligen Abbaufeld Zukunft-West kein identisches Abbild der Landschaft, die dort früher lag. Die Fachleute in Behörden und Bergbau sind sich einig: Die Rekultivierung kann nicht der Versuch sein, Natur nachzubauen. Der Mensch kann nur eine Starthilfe geben. Die wesentliche Arbeit leistet die Natur selbst. Die Voraussetzungen dazu sind geschaffen worden. So wird auch diese neue Landschaft ihren eigenen Charakter entwickeln.

Das Wassersportzentrum

Am 12.08.2000 wurde der Blausteinsee offiziell in Betrieb genommen. Auf einem Gelände von ca. 180 ha ist hier ein Freizeitzentrum entstanden, das nicht nur in der Region seines gleichen sucht.

Der See hat mit 80 ha Wasserfläche und knapp 40 m Wassertiefe ein Stadium erreicht, welches insbesondere den Wassersportlern beste Möglichkeiten bietet.

Hiervon machen vor allem Tauchsportler schon jetzt regen Gebrauch. Neben der Wassertiefe schwärmen sie insbesondere von der klaren Sicht im Wasser. Es ist sicherlich ein Erlebnis, die weitere Entwicklung eines entstehenden Sees mit den sich immer wieder ändernden natürlichen Gegebenheiten unter Wasser zu beobachten.

Bei regelmäßig vorhandenen Nordwestwinden finden neben den Tauchern aber auch die Segler und Surfer ein ideales Wassersportrevier vor, das genug Raum für temporeiches Wellenreiten bietet.

Dass Kanufahren genauso möglich ist wie ein Familienausflug mit Paddel- und Schlauchboot versteht sich von selbst. Darüber hinaus ist das Schwimmen in einem im Hafenbereich liegenden, gekennzeichneten Bereich auf eigene Gefahr möglich, allerdings ohne Aufsicht.

 

Nicht erlaubt sind jedoch

  • FKK,

  • Kite-Surfen,

  • Grillen, Zelten, offenes Feuer sowie

  • motorbetriebene Nutzungen.


Hunde dürfen mitgebracht werden, sie sind jedoch im gesamten Blausteinsee-Gebiet anzuleinen. Auch gilt für Hunde ein Schwimmverbot innerhalb des gekennzeichneten Schwimmbereiches.

Für die Nutzungen sind Tages- oder Jahreskarten erhältlich. Die Tarife erfahren Sie bei der Freizeitzentrum Blaustein-See GmbH.

Neben dem eigentlichen Wassersport bietet das Erholungsgebiet rund um den See noch vielfältige Möglichkeiten für weitere Aktivitäten. Ein weitläufiges Wegenetz ermöglicht kleinere und größere Wander- und Radwandertouren. Auf den geteerten Wirtschaftswegen ist ebenso Skaten angesagt. Selbstverständlich ist auch eine urige Gastronomie vor Ort.

Weitere Informationen: Freizeitzentrum Blaustein-See GmbH, Johannes-Rau-Platz 1, 52249 Eschweiler, Telefon: 02403/71-493, Fax: 02403/71-619.

Auch der Verband der wassersporttreibenden Vereine Blausteinsee e.V. informiert im Internet über den Blausteinsee.