Eschweiler - geschichtliche Entwicklung

Die Besiedelung des Eschweiler Raumes begann nachweislich in der Jungsteinzeit. Um 4.500 v.Chr. betrieben die ersten Ackerbauern Getreideanbau und Viehzucht auf den fruchtbaren Lößböden im Norden des heutigen Stadtgebietes am Merzbach. Nach der Musterung der Töpferwaren nennt man diese Zeit Bandkeramik.

Auch aus der keltischen Zeit im letzten Jahrtausend vor Christus sind Spuren menschlicher Besiedlung in Eschweiler nachgewiesen.

Eine erste wirtschaftliche und kulturelle Blüte erlebte unsere Heimat unter der Römerherrschaft. Im rückwärtigen Raum der Grenze an Rhein und Limes entstanden Landgüter und ein ausgebautes Straßennetz. Zahlreiche Funde (Römervillen am Lynenwerk, am „Sprung" in Hastenrath, auf dem Steinacker in Dürwiß und in Röhe) beweisen, dass der hiesige Raum dicht besiedelt war, wenn auch von einer städtischen Siedlung nicht gesprochen werden kann.

 Im Jahre 828 wurde Eschweiler erstmals urkundlich erwähnt. Einhard, der Biograf Karls des Großen, dem in den Parkanlagen am Talbahnhof ein Denkmal errichtet wurde, schreibt von „Ascvilare fundus regius", dem karolingischen Königsgut Eschweiler.

In den folgenden Jahrhunderten kam Eschweiler in den Besitz der Kölner Dompropstei.

Vom Ende des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Eschweiler zum Herzogtum Jülich. So zeigt das Wappen der Stadt den Jülicher Löwen, der in seinen Pranken den Schlüssel des heiligen Petrus hält.

Im 17. Jahrhundert brachten der Dreißigjährige Krieg und die Raubkriege Ludwigs XIV. viel Elend und Not über die Bevölkerung. So besetzten 1642 schwedische Truppen den Ort und die Eschweiler Burg, die im 13. Jahrhundert auf dem rechten Ufer der Inde erbaut worden war. 1678 plünderten und brandschatzten französische Truppen den Ort. Nach dem allmählichen Wiederaufbau begann eine friedlichere Zeit, in der besonders der Steinkohlenabbau auf dem Eschweiler Kohlberg (heute Stadtwald) von den Jülicher Landesherren gefördert wurde.


1794 endete die alte Herrschaft und französische Revolutionstruppen besetzten auch das linke Rheinufer und nahmen es für Frankreich in Besitz. Eschweiler wurde Kantonsort im Roerdepartement.

Nach zwanzigjähriger französischer Herrschaft kam unsere Heimat als Rheinprovinz an das Königreich Preußen (1814).


Ein ungeahnter wirtschaftlicher Aufschwung setzte ein. War bereits 1794 die erste Dampfmaschine zur Entwässerung der Bergwerke in Pumpe in Betrieb genommen worden, so begann in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts durch Konzentration des Grubenbesitzes unter der Familie Wültgens/Englerth ein rasanter Ausbau der Eschweiler Steinkohlebergwerke. 1838 wurde der Eschweiler Bergwerksverein gegründet, die größte Montangesellschaft im preußischen Westen. Auf Grund der Steinkohlevorkommen entstanden im Indetal bei Aue große eisenverarbeitende Betriebe. Eschweiler wurde im 19. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der rheinischen Eisen- und Stahlindustrie. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung war der Anschluß an die rheinische Eisenbahn von Köln nach Aachen (1841).

Am 26. April 1858 wurden Eschweiler die Stadtrechte nach der rheinischen Stadtordnung verliehen. Die Stadt wuchs und dehnte sich vor allem auf dem rechten Indeufer aus.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Eschweiler nach schweren Kriegszerstörungen am 22. November 1944 durch amerikanische Truppen besetzt. Die Bevölkerung war vorher evakuiert worden. Die 1945 Heimkehrenden richteten sich notdürftig ein, räumten die Trümmer und der Wiederaufbau begann.

In den fünfziger Jahren wurden neue Wohngebiete erschlossen.

Klosterkirche in St. Jöris

Seinen heutigen Zuschnitt fand Eschweiler durch zwei Gebietsreformen:
Am 1. Oktober 1932 wurden die Gemeinden Nothberg und Hastenrath nach Eschweiler eingegliedert. Die kommunale Neugliederung am 1. Januar 1972 erweiterte das Stadtgebiet um die Gemeinden Dürwiß, Lohn, Laurenzberg, Kinzweiler und Weisweiler.

Das Ende des Steinkohlebergbaus 1944 und die Abwanderung und Schließung vieler Großbetriebe in der Nachkriegszeit brachte für unsere Stadt große strukturelle Probleme. Der seit 1910 auf Eschweiler Stadtgebiet im Norden tätige Abbau von Braunkohle in Großtagebauen schaffte aber ebenso wie die Ansiedlung neuer Betriebe wieder neue Arbeitsplätze. Durch das Kraftwerk in Weisweiler besteht eine ortsnahe Energieversorgung.

Seit der Schließung des Braunkohletagebaues „Zukunft" 1985 ist der Braunkohlebergbau auf Eschweiler Stadtgebiet zu Ende. Im rekultivierten Gebiet entstand mit dem Blausteinsee ein neues Erholungs- und Freizeitzentrum.

(Text: Geschichtsverein Eschweiler)