Gemeinsam für kommunale Nachhaltigkeit. Planungsaustausch mit Alta Floresta


Ende September hat in der Eschweiler Stadtverwaltung ein entwicklungspolitischer Fach- und Planungsaustausch mit Vertretern aus Alta Floresta stattgefunden

 

Zu zeigen, dass Brasilien nicht nur aus den dieser Tage das mediale Bild dominierenden provokanten Sprüchen seines Präsidenten und Regenwaldbränden besteht, war eines der Anliegen, das der Delegation aus Alta Floresta, die in der letzten Septemberwoche Eschweiler besuchte, sehr am Herzen lag. Insgesamt eine Woche verbrachten die vier Brasilianer aus der Stadt im Amazonasgebiet in der Indestadt zu einem Fach- und Planungsaustausch. Zentrales Thema waren grüne und blaue Korridore zum Schutz noch vorhandener Regenwaldstrukturen, zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Stadtgebiet.


Hintergrund ist ein brasilianisches Gesetz aus dem Jahr 2017 – also noch aus der Zeit vor Präsident Bolsonaro –, das Landbesitzer in Amazonien dazu verpflichtet, 80 Prozent ihres Grundstücks zu renaturieren, wenn der Beginn der Besiedelung desselben im Jahr 2008 oder später liegt. Durch den Austausch mit den Entwicklungspartnern aus Eschweiler versprechen sich die Umweltschutzverantwortlichen bei der Stadt Alta Floresta sowie der NGO „Instituto Centro de Vida“ noch größere Erfolge bei der Umsetzung der Richtlinie.

Bereits in der jüngsten Vergangenheit können die Verantwortlichen in Alta Floresta stolz auf einige Erfolge zurückblicken. So wurden bereits erste Umsetzungserfolge bei der Wiederaufforstung rund um einige Wasserquellen im Stadtgebiet Alta Florestas erzielt. Von denen gibt es dort allerdings mehr als 1.000. Viele liegen auf den Grundstücken von Kleinbauern. Diese verfügen oftmals weder über die finanziellen Mittel noch über das nötige Know-How, um die Renaturierungsmaßnahmen eigenständig durchzuführen. Hier unterstützen die Kommune und das Instituto Centro de Vida. Durch die bisherigen Erfolge konnten so bereits die meisten Grundstückseigentümer von den Vorteilen dieser Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen überzeugt werden.

Während des einwöchigen Workshops in Eschweiler brachten sich neben den Eschweiler Verwaltungsmitarbeitern aus den Bereichen Grünflächen- und Stadtplanung auch noch Experten des Umweltamts der StädteRegion sowie des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) mit ihrem Fachwissen ein.

Exkursionen in die Region zur Veranschaulichung von Renaturierungsmaßnahmen und regionaler Nahrungsproduktion und -vermarktung ergänzten die Präsentationen und Fachdiskussionen. Zudem hatten sich zum Auftaktworkshop bereits Jochen Olivier vom Eschweiler Unternehmen aixACCT charging solutions GmbH und Dr. Peter Burauel von der Stabsstelle ZukunftsCampus des Forschungszentrums Jülich auf den Weg ins Eschweiler Rathaus gemacht, um sich mit den Gästen aus Brasilien zu vernetzen. Beide signalisierten bereits im Vorfeld Interesse an einer möglichen zukünftigen Kooperation im Bereich Elektromobilität bzw. Nachhaltigkeitsforschung mit Akteuren in Alta Floresta.

 

Mit Blick auf die Zukunft der Entwicklungspartnerschaft wurden weitere Projektideen entwickelt. Die Ausarbeitung dieser sowie die Beantragung von Fördermitteln für die anschließende Umsetzung stehen nun in den kommenden Monaten im Fokus der Entwicklungspartnerschaft.

 

Hintergrund

 

Seit März 2018 pflegt die Stadt Eschweiler eine Entwicklungspartnerschaft mit der brasilianischen Regenwaldkommune Alta Floresta. Der Ende September erfolgte einwöchige Fach- und Planungsaustausch in Eschweiler wurde von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) der Engagement Global gGmbH mit Mitteln des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) zu 90 Prozent gefördert. Den Eigenanteil von 10 Prozent trug die Stadt Alta Floresta.

Durch das entwicklungspolitische Engagement von Kommunen verspricht sich die Bundesregierung, möglichst viele Menschen zur Umsetzung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der UN-Agenda 2030 zu mobilisieren und die Men-schen vor Ort besser zu erreichen.

Die Übernahme globaler Verantwortung durch die Entwicklungspartnerschaft mit Alta Floresta war einer der Gründe, warum die Stadt Eschweiler 2019 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde.