Propsteier Wald - Fahrplan zur Öffnung


Rund 350 ha des im Südwesten der Stadt Eschweiler gelegenen Propsteier Waldes wurden mit Einzug der belgischen Streitkräfte Anfang der 1950er Jahre gesperrt. Diese nutzten den Wald, der bereits zuvor eine lange militärische Nutzungsgeschichte hatte, bis 1995 als Munitions- und Materialdepot. Nach Abzug der Belgischen Streitkräfte wurde das Lager ausschließlich forstwirtschaftlich und jagdlich genutzt und musste bis heute auf Grund der diffusen Gefahrensituation durch bauliche Anlagen und Kampfmittelreste aus dem Zweiten Weltkrieg gesperrt bleiben. Bereits seit gut zehn Jahren bemüht sich die Stadt Eschweiler gemeinsam mit dem Förderverein Propsteier Wald e.V. um die Öffnung des Waldes zur Naherholung. Gleichzeitig besteht ein starkes Interesse daran, den Propsteier Wald als ökologisch bedeutenden Naturraum in der ansonsten ausgeräumten Landschaft der Jülicher Börde zu schützen, als öffentliches Eigentum dauerhaft zu erhalten und so einer Privatisierung vorzubeugen.

Nach anfänglichen Überlegungen, den Wald in eine Waldgenossenschaft zu überführen, einigte man sich nach dem Scheitern der Kaufverhandlungen auf einen gemeinsamen Fahrplan mit der Eigentümerin, der BImA. Die Ziele und Aufgaben wurden im Dezember 2013 in einer Rahmenvereinbarung gemeinsam festgehalten, die zwischenzeitlich im Sommer 2020 aktualisiert wurde. Darin ist vereinbart, dass erst nach Rückbau aller Gebäude bis zur Bodenplatte, der Entsorgung der asbest- und schadstoffhaltigen Abfälle sowie der Beseitigung sonstiger baulicher Gefahrensituationen der Propsteier Wald auf festgelegten und markierten Wegen für die Erholungsnutzung geöffnet wird.

Um der im gesamten Gebiet vorherrschenden Gefahrensituation durch die militärischen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges Rechnung zu tragen,

werden nur ein Teil der vorhandenen Wege explizit für Wanderer und Radfahrer ausgewiesen. Alle außerhalb des freigegebenen Wegenetzes gelegenen Waldflächen und die übrigen Wege werden zur Gefahrenabwehr sowie aus Naturschutzgründen weiterhin gesperrt. Zudem wird es ein ausdrückliches Wegegebot geben. Zu diesem Zweck haben BImA und Stadt gemeinsam mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf eine Kampfmittelverhütungsverordnung erarbeitet, die im Herbst 2020 vom Rat der Stadt Eschweiler beschlossen werden soll.

Sind alle Maßnahmen zur Gefahrenabwehr durchgeführt, werden die rund neun km lange Zaunanlage entfernt und die ausgewiesenen Waldwege freigegeben.
Derzeit bereitet die BImA die Ausschreibung der Rückbaumaßnahmen im Wald vor, z.B. den Abriss von ca. 350 Lagerhütten. Im Vorfeld muss zum Schutz der evtl. durch den Rückbau beeinträchtigten Tiere und Pflanzen eine Artenschutzprüfung durchgeführt werden, die derzeit mit der Unteren Naturschutzbehörde der StädteRegion Aachen abgestimmt wird. Liegen alle erforderlichen Informationen vor, soll die Maßnahme im Laufe des nächsten Jahres unter ökologischer Baubegleitung durchgeführt werden.

Zudem sind zahlreiche Maßnahmen – naturschutzfachliche Kompensationsvorhaben und ökologische Aufwertungsmaßnahmen – vorgesehen, um den Lebensraum bedeutender und teils streng geschützter Arten zu sichern und aufzuwerten. Durch den Verbleib des Probsteier Waldes im Eigentum der BImA ist das öffentliche Eigentum dauerhaft gesichert.

Parallel dazu soll in Kürze die Offenlage zur 4. Änderung des Landschaftsplanes III bei der StädteRegion Aachen erfolgen. Im Rahmen dieses Verfahrens wird die Unterschutzstellung des gesamten Propsteier Waldes angestrebt – die Ausweisung zum Naturschutzgebiet. Auf einem Teilbereich des ehemaligen Wartungsareals für Militärfahrzeuge soll zudem eine Photovoltaikanlage entstehen. Die Stadt wird dazu in Kürze das Verfahren eröffnen, um Planungsrecht zu schaffen. Claudia Moll, Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitglied der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Eschweiler, hat sich für die Öffnung des Propsteier Waldes in Berlin stark gemacht und den Weg geebnet.

Mit großem Engagement haben sich die Vertreter*innen von BImA, Bundesforst, Stadt und Förderverein Propsteier Wald e.V. für dieses Ziel und den gemeinsamen Weg eingesetzt. Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis die ersten Naherholungssuchenden nach 65 Jahren wieder offiziell das Sperrgebiet betreten dürfen, ist die Freude aller Beteiligten groß, endlich den Knoten in Sachen Propsteier Wald durchschlagen und damit das Ende des ehemaligen Camp Astrid eingeläutet zu haben.