17 Ziele für eine bessere Welt – auch in Eschweiler!


Der Begriff Nachhaltigkeit befindet sich zurzeit in aller Munde. Für das Jahr 2019 wurde die Stadt Eschweiler mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Städte mittlerer Größe ausgezeichnet. Bereits im Jahr 2018 hat die Stadt ihre erste eigene Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen und einen Nachhaltigkeitsmanager eingestellt. Und auch beim Einkauf im Discounter fallen einem zunehmend Hinweise auf die nachhaltigen Produkte der einzelnen Ketten ins Auge. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, der uns momentan überall zu begegnen scheint?

Kurz gesagt beschreibt Nachhaltigkeit in der Regel ein Handlungsprinzip, das auf Dauerhaftigkeit ausgelegt ist und dabei insbesondere die Regenerationsfähigkeit einer Ressource berücksichtigt. In der Forstwirtschaft, in der der Begriff Nachhaltigkeit bereits vor Jahrhunderten verwendet wurde, bedeutet Nachhaltigkeit, dass nicht mehr Bäume gefällt werden dürfen, als auch nachwachsen.

Seit den 80er Jahren und insbesondere im Verlauf der 90er Jahre erhielt der Begriff Nachhaltigkeit eine immer größere Bedeutung in lokalen, nationalen und internationalen politischen Debatten. Dabei sollte der Begriff die Gleichstellung von Umweltbelangen mit sozialen und ökonomischen Entwicklungszielen ausdrücken. Ein seitdem gewachsenes Bewusstsein dafür, dass auch lokale Ereignisse und lokales Handeln oft globale Auswirkungen haben, hat dazu geführt, dass Ende September 2015 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen von allen Staaten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet wurden. Ziel ist es, diese in der Kurzform sogenannten 17 SDGs (von englisch: Sustainable Development Goals) bis zum Jahr 2030 umzusetzen. Dabei haben die SDGs im Gegensatz zu früheren Entwicklungszielen, die sich allein auf Entwicklungsländer bezogen, Gültigkeit für alle Staaten der Erde. Um die 17 Ziele auch wirklich zu erreichen, ist es wichtig, dass jeder seinen Beitrag leistet. Dies gilt nicht nur für politische Entscheidungsträger, sondern auch für jeden Menschen im Einzelnen – immerhin soll auch jeder Einzelne von den angestrebten Entwicklungen profitieren. Die Erde soll für alle seine jetzigen Bewohner sowie für künftige Generationen ein lebenswerter Ort sein. Grundlegend für das Mitwirken aller ist ein Bewusstseinswandel im täglichen Handeln und eine Sensibilisierung der Menschen für die 17 Ziele.

Die Stadt Eschweiler mit ihrer Industrievergangenheit hat die Bedeutung nachhaltiger Lösungsansätze zur Überwindung der Herausforderungen, die der Strukturwandel im rheinischen Braunkohlerevier mit sich bringt, erkannt. Noch heute profitiert Eschweiler ökonomisch von der Braunkohleverstromung, die zugleich aber auch zum menschengemachten Klimawandel mit seinen weltweiten Auswirkungen beiträgt. Dementsprechend hat die Stadt Eschweiler im vergangenen Jahr ihre erste eigene Nachhaltigkeitsstrategie, die die 17 Ziele der UN – inklusive der Übernahme globaler Verantwortung – aufgreift, erarbeitet und beschlossen. Um die 17 SDGs der Eschweiler Bevölkerung näherzubringen, hat das Nachhaltigkeitsmanagement der Stadtverwaltung zu jedem der 17 SDGs eine Redewendung aus dem Eischwiele Platt ausfindig gemacht. Diese wurden mit Förderung von Engagement Global und dem Bundesentwicklungsministerium in einem hochwertigen grafischen Design auf Bierdeckel gedruckt und sollen in Kürze in zahlreichen Eschweiler Kneipen und Restaurants Verwendung finden. In Zusammenarbeit mit dem Nachhaltigkeitsmanager der Stadt Eschweiler, Jan Schuster, werden wir Ihnen in den kommenden Wochen die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in der Eschweiler Variante als Serie im Einzelnen vorstellen. 

 


 

Ziel 1 – Keine Armut

Teil 1 der Nachhaltigkeitsserie: „Benediktum, benedaktum…

 

Das erste Nachhaltigkeitsziel hat den Anspruch, Armut in all ihren Formen zu beenden. Dabei gilt als Zielvorgabe vor allem, bis zum Jahr 2030 die extreme Armut auf der ganzen Welt zu überwinden. Als extrem arm gilt, wer pro Tag mit weniger als 1,25 Dollar auskommen muss. Auch im Jahr 2019 betrifft das noch rund 800 Millionen Menschen weltweit, darunter rund zwei Drittel Frauen. Extreme Armut findet sich vor allem in den Ländern des Globalen Südens.

Wenn man hierzulande von Armut spricht, bezieht man sich in der Regel auf die sogenannte relative Armut. Wenn eine Person über deutlich weniger materielle und immaterielle Güter verfügt und geringere Chancen hat, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, als die meisten anderen Menschen in einer Gesellschaft, gilt sie als relativ arm. Nicht selten führt relative Armut zu sozialer Ausgrenzung. Mit dem Unterziel, in allen Staaten der Erde die entsprechend dem jeweiligen nationalen Standard herrschende relative Armut bis 2030 mindestens zu halbieren, wird auch die große Bedeutung des ersten nachhaltigen Entwicklungsziels für Eschweiler deutlich. Nicht zuletzt hat die Veröffentlichung des ersten Eschweiler Sozialberichts im Jahr 2018 in Erinnerung gerufen, dass gemessen am Durchschnittseinkommen der in einer Stadt lebenden Menschen, unsere Region  zu den Ärmsten in Nordrhein-Westfalen gehört. Dabei sind manche Personengruppen wie beispielsweise Alleinerziehende und ihre Kinder besonders häufig von Armut betroffen oder bedroht.

Um dies zu ändern, wird in Ziel 1 auch gefordert, durch Erhalt, Auf- und Ausbau sozialer Sicherungssysteme, die Entwicklungschancen von Armut betroffener Menschen zu erhöhen. Die Stadt Eschweiler setzt u.a. mit dem flächendeckenden Ausbau frühkindlicher Bildungsangebote, der geplanten Kita-Beitragsfreiheit ab 2020 und Investitionen in den sozialen Wohnungsbau eine hohe Priorität auf die Überwindung von Armut in Eschweiler.

Auch wenn bereits im Jahr 2019 in Eschweiler niemand so arm ist, dass er ohne Kleider herumlaufen müsste, so hat man doch im übertragenen Sinne den spätestens für 2030 anvisierten Zielzustand für die Übersetzung von SDG 1 ins Eischwiele Platt auserkoren. Mit der grafischen Bezugnahme auf den in Eschweilers christlicher Tradition so bedeutsamen St. Martin wird klar, dass es um die Überwindung von Armut geht, wenn es da heißt: „Benediktum, benedaktum… he lööf kehne mi puddelrüh erömm!“

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