17 Ziele für eine bessere Welt – auch in Eschweiler!


Der Begriff Nachhaltigkeit befindet sich zurzeit in aller Munde. Für das Jahr 2019 wurde die Stadt Eschweiler mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Städte mittlerer Größe ausgezeichnet. Bereits im Jahr 2018 hat die Stadt ihre erste eigene Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen und einen Nachhaltigkeitsmanager eingestellt. Und auch beim Einkauf im Discounter fallen einem zunehmend Hinweise auf die nachhaltigen Produkte der einzelnen Ketten ins Auge. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, der uns momentan überall zu begegnen scheint?

Kurz gesagt beschreibt Nachhaltigkeit in der Regel ein Handlungsprinzip, das auf Dauerhaftigkeit ausgelegt ist und dabei insbesondere die Regenerationsfähigkeit einer Ressource berücksichtigt. In der Forstwirtschaft, in der der Begriff Nachhaltigkeit bereits vor Jahrhunderten verwendet wurde, bedeutet Nachhaltigkeit, dass nicht mehr Bäume gefällt werden dürfen, als auch nachwachsen.

Seit den 80er Jahren und insbesondere im Verlauf der 90er Jahre erhielt der Begriff Nachhaltigkeit eine immer größere Bedeutung in lokalen, nationalen und internationalen politischen Debatten. Dabei sollte der Begriff die Gleichstellung von Umweltbelangen mit sozialen und ökonomischen Entwicklungszielen ausdrücken. Ein seitdem gewachsenes Bewusstsein dafür, dass auch lokale Ereignisse und lokales Handeln oft globale Auswirkungen haben, hat dazu geführt, dass Ende September 2015 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen von allen Staaten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet wurden. Ziel ist es, diese in der Kurzform sogenannten 17 SDGs (von englisch: Sustainable Development Goals) bis zum Jahr 2030 umzusetzen. Dabei haben die SDGs im Gegensatz zu früheren Entwicklungszielen, die sich allein auf Entwicklungsländer bezogen, Gültigkeit für alle Staaten der Erde. Um die 17 Ziele auch wirklich zu erreichen, ist es wichtig, dass jeder seinen Beitrag leistet. Dies gilt nicht nur für politische Entscheidungsträger, sondern auch für jeden Menschen im Einzelnen – immerhin soll auch jeder Einzelne von den angestrebten Entwicklungen profitieren. Die Erde soll für alle seine jetzigen Bewohner sowie für künftige Generationen ein lebenswerter Ort sein. Grundlegend für das Mitwirken aller ist ein Bewusstseinswandel im täglichen Handeln und eine Sensibilisierung der Menschen für die 17 Ziele.

Die Stadt Eschweiler mit ihrer Industrievergangenheit hat die Bedeutung nachhaltiger Lösungsansätze zur Überwindung der Herausforderungen, die der Strukturwandel im rheinischen Braunkohlerevier mit sich bringt, erkannt. Noch heute profitiert Eschweiler ökonomisch von der Braunkohleverstromung, die zugleich aber auch zum menschengemachten Klimawandel mit seinen weltweiten Auswirkungen beiträgt. Dementsprechend hat die Stadt Eschweiler im vergangenen Jahr ihre erste eigene Nachhaltigkeitsstrategie, die die 17 Ziele der UN – inklusive der Übernahme globaler Verantwortung – aufgreift, erarbeitet und beschlossen. Um die 17 SDGs der Eschweiler Bevölkerung näherzubringen, hat das Nachhaltigkeitsmanagement der Stadtverwaltung zu jedem der 17 SDGs eine Redewendung aus dem Eischwiele Platt ausfindig gemacht. Diese wurden mit Förderung von Engagement Global und dem Bundesentwicklungsministerium in einem hochwertigen grafischen Design auf Bierdeckel gedruckt und sollen in Kürze in zahlreichen Eschweiler Kneipen und Restaurants Verwendung finden. In Zusammenarbeit mit dem Nachhaltigkeitsmanager der Stadt Eschweiler, Jan Schuster, werden wir Ihnen in den kommenden Wochen die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in der Eschweiler Variante als Serie im Einzelnen vorstellen. 

 


 

Ziel 1 – Keine Armut

Teil 1 der Nachhaltigkeitsserie: „Benediktum, benedaktum…

 

Das erste Nachhaltigkeitsziel hat den Anspruch, Armut in all ihren Formen zu beenden. Dabei gilt als Zielvorgabe vor allem, bis zum Jahr 2030 die extreme Armut auf der ganzen Welt zu überwinden. Als extrem arm gilt, wer pro Tag mit weniger als 1,25 Dollar auskommen muss. Auch im Jahr 2019 betrifft das noch rund 800 Millionen Menschen weltweit, darunter rund zwei Drittel Frauen. Extreme Armut findet sich vor allem in den Ländern des Globalen Südens.

Wenn man hierzulande von Armut spricht, bezieht man sich in der Regel auf die sogenannte relative Armut. Wenn eine Person über deutlich weniger materielle und immaterielle Güter verfügt und geringere Chancen hat, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, als die meisten anderen Menschen in einer Gesellschaft, gilt sie als relativ arm. Nicht selten führt relative Armut zu sozialer Ausgrenzung. Mit dem Unterziel, in allen Staaten der Erde die entsprechend dem jeweiligen nationalen Standard herrschende relative Armut bis 2030 mindestens zu halbieren, wird auch die große Bedeutung des ersten nachhaltigen Entwicklungsziels für Eschweiler deutlich. Nicht zuletzt hat die Veröffentlichung des ersten Eschweiler Sozialberichts im Jahr 2018 in Erinnerung gerufen, dass gemessen am Durchschnittseinkommen der in einer Stadt lebenden Menschen, unsere Region  zu den Ärmsten in Nordrhein-Westfalen gehört. Dabei sind manche Personengruppen wie beispielsweise Alleinerziehende und ihre Kinder besonders häufig von Armut betroffen oder bedroht.

Um dies zu ändern, wird in Ziel 1 auch gefordert, durch Erhalt, Auf- und Ausbau sozialer Sicherungssysteme, die Entwicklungschancen von Armut betroffener Menschen zu erhöhen. Die Stadt Eschweiler setzt u.a. mit dem flächendeckenden Ausbau frühkindlicher Bildungsangebote, der geplanten Kita-Beitragsfreiheit ab 2020 und Investitionen in den sozialen Wohnungsbau eine hohe Priorität auf die Überwindung von Armut in Eschweiler.

Auch wenn bereits im Jahr 2019 in Eschweiler niemand so arm ist, dass er ohne Kleider herumlaufen müsste, so hat man doch im übertragenen Sinne den spätestens für 2030 anvisierten Zielzustand für die Übersetzung von SDG 1 ins Eischwiele Platt auserkoren. Mit der grafischen Bezugnahme auf den in Eschweilers christlicher Tradition so bedeutsamen St. Martin wird klar, dass es um die Überwindung von Armut geht, wenn es da heißt: „Benediktum, benedaktum… he lööf kehne mi puddelrüh erömm!“



Ziel 2 – Kein Hunger

Teil 2 der Nachhaltigkeitsserie: Jode Honge!

Im zweiten Nachhaltigkeitsziel dreht sich alles um das Thema Ernährung. Allem voran steht die Kernforderung, bis zum Jahr 2030 weltweit den Hunger zu beenden und allen Menschen den steten und ausreichenden Zugang zu nährstoffreichen Nahrungsmitteln zu sichern. Wenn man bedenkt, dass auf der ganzen Welt knapp 800 Millionen Menschen Hunger leiden und zwei Milliarden Menschen mangelernährt sind, erscheint Ziel 2 als ein sehr ambitioniertes Vorhaben. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler hält dem jedoch entgegen, dass die globale landwirtschaftliche Produktion problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könne. Damit wird deutlich, dass Hunger bedingt wird durch Armut, mangelnde Infrastruktur, Handelsbarrieren und bewaffnete Konflikte.

Im Zusammenhang mit Armut und Verwahrlosung ist Hunger oder zumindest doch Mangelernährung auch durchaus ein Problem in reichen Ländern wie Deutschland. So sind immer mehr Menschen nicht in der Lage, sich angemessen zu ernähren. Besonders betroffen sind dabei die Sozialschwächsten wie beispielsweise Kinder aus Haushalten, die ALG-2 beziehen. Immer häufiger beobachten Lehrer an Schulen in benachteiligten Stadtteilen, dass Kinder ohne Pausenbrot und mit leerem Magen im Unterricht sitzen. Ein weiteres Problem stellt armutsbedingte Fehlernährung dar. In beiden Fällen leiden die Betroffenen häufig an Konzentrationsschwächen und Wachstumsstörungen und sind anfällig für Krankheiten. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass das Ziel „Kein Hunger“ bereits bei seiner Kernforderung auch für Eschweiler seine Relevanz hat.

 

In den Unterzielen von SDG 2 geht es zudem darum, eine bessere Ernährung aller sicherzustellen und die nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Letzteres bedeutet u.a. auch, bei gleichzeitigem Erhalt der Ökosysteme die Erträge zu steigern.

In der Eschweiler Nachhaltigkeitsstrategie hat sich die Stadt in dieser Hinsicht beispielsweise zum Ziel gesetzt, die ökologische oder umwelt- und bodenverträgliche Landwirtschaft zu fördern. Auch wird angestrebt, dass das Angebot regionaler, ökologischer und fair erzeugter Lebensmittel deutlich erhöht wird und in einem Großteil des Eschweiler Einzelhandels nachhaltige Produkte erhältlich sein werden. Mit der Förderung des Fairen Handels trägt die seit 2017 als Fairtrade-Stadt ausgezeichnete Indestadt zudem dazu bei, in den Erzeugerländern im Globalen Süden Armut zu verringern und somit auch Hunger zu beenden – ganz nach dem Motto: „Jode Honge, ävve füe se all.“  



Ziel 3 – Gesundheit und Wohlergehen

Teil 3 der Nachhaltigkeitsserie: „De Haupsach ess…“

Die Gewährleistung eines gesunden Lebens für alle Menschen unabhängig vom Alter wird im dritten nachhaltigen Entwicklungsziel angestrebt. Da Gesundheit dabei gleichzeitig als Ziel, Voraussetzung und Ergebnis von nachhaltiger Entwicklung gesehen wird, werden in den Unterzielen entsprechend viele Bereiche und Faktoren mit aufgegriffen.

So gilt es u.a., die in vielen Entwicklungsländern hohe Anzahl von Todesfällen bei Neugeborenen und Kindern unter 5 Jahren zu senken. Während nämlich beispielsweise in Deutschland etwa 4 von 1.000 Kinder vor Vollendung ihres 5. Lebensjahres sterben, ist diese Zahl in Ländern wie Somalia mit mehr als 130 ungleich höher. Neben armutsbedingter Mangelernährung und bewaffneten Konflikten zählt vor allem mangelhafte medizinische Versorgung mit zu den Hauptursachen für eine hohe Kindersterblichkeit. So wird in SDG 3 gefordert, alle Bemühungen zu unternehmen, die Kindersterblichkeitsrate bis zum Jahr 2030 in jedem Land der Welt auf einen Wert von höchstens 25 von 1.000 zu senken.

Mit dem Anspruch, bis 2030 allgemeinen Zugang zu Familienplanung und Aufklärung einerseits und zu wirksamen wichtigen Medikamenten und Impfstoffen andererseits zu gewährleisten, wird die Beseitigung weiterer entwicklungshemmender Faktoren in Angriff genommen.

Scheinen viele dieser Zielsetzungen für einen hierzulande lebenden Menschen als eine Selbstverständlichkeit, so entstehen jedoch auch in Deutschland mancherorts zunehmend Herausforderungen. Beispielsweise müssen in manchen dünn besiedelten Landstrichen die Menschen teils mehrere Kilometer zurücklegen, bevor sie eine Arztpraxis erreichen können.

Auch im Bereich Pflege stehen wir hierzulande vor großen Herausforderungen. Mit einer zunehmend alternden Bevölkerung in Deutschland erfordert die Bereitstellung von Pflege und medizinischer Versorgung, die alle erreichen, große Anstrengungen.

Mit dem St. Antonius Hospital verfügt die Stadt Eschweiler über ein erstklassiges Zentralkrankenhaus mit spezialisierten Fachbereichen. Daneben haben sich in der Indestadt zahlreiche Allgemein- und Fachärzte angesiedelt, so dass Eschweiler seinen BürgerInnen ein breites Angebot an medizinischer Versorgung bieten kann. Und auch im Bereich Pflegeeinrichtungen und Betreutes Wohnen hat Eschweiler einiges zu bieten. Dieses breite Angebot aufrechtzuerhalten und entsprechend den demographischen Entwicklungen auszubauen, ist eine wichtige Aufgabe die sich auch für Eschweiler im Zusammenhang mit dem dritten Nachhaltigkeitsziel stellt. Gerade in der Indestadt weiß man doch seit jeher: „De Haupsach ess, ett Häzz ess joot.“


Ziel 4 – Hochwertige Bildung

Teil 4 der Nachhaltigkeitsserie: „Du bess so luus wie zwei Doofe“

So selbstverständlich wie Sie gerade diesen vor Ihnen liegenden Zeitungsartikel lesen, verhält es sich leider nicht für alle Menschen. Noch immer können fast 800 Millionen Jugendliche und Erwachsene weltweit nicht lesen. Dieser und andere Entwicklungsbedarfe im Bereich Bildung stehen im Fokus des 4. nachhaltigen Entwicklungsziels der Vereinten Nationen – Hochwertige Bildung. Während es primär darum geht, Analphabetismus zu beseitigen, sind die in den Unterzielen ausgemachten Maßnahmen ebenso vielfältig wie die Ursachen und gehen noch weit darüber hinaus.

Dass weltweit etwa 60 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule besuchen, ist überwiegend durch Armut bedingt. Eltern können das Schulgeld nicht bezahlen oder Familien sind sogar darauf angewiesen, dass schon die Kleinsten mit zum Einkommen beitragen. Auf der anderen Seite hängen in einigen Gesellschaften Bildungsdefizite teils auch mit Traditionen oder kulturellen Werten zusammen. Dies spiegelt sich u.a. darin wieder, dass es sich bei zwei Dritteln der Analphabeten auf der Welt um Frauen handelt. Deutlich zu erkennen wird hier die enge Verknüpfung von SDG 4 mit anderen Zielen aus der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wie Ziel 1 „Keine Armut“ oder Ziel 5 „Geschlechter Gleichheit“.

Im Einzelnen wird im Ziel „Hochwertige Bildung“ beispielsweise gefordert, dass im Jahr 2030 alle Mädchen und Jungen gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung erhalten, auf die sie bereits durch Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung vorbereitet wurden. Des Weiteren sollen jedwede Diskriminierung beim Zugang zu Bildung beseitigt und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens gefördert werden. Auch kommt dem vierten Nachhaltigkeitsziel insofern eine Schlüsselrolle innerhalb der Agenda 2030 zu, als dass hier angestrebt wird, alle Lernenden für das Thema Nachhaltigkeit so zu sensibilisieren, dass sie aktiv zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung beitragen.

Besonders engagiert in dieser Hinsicht zeigen sich bereits viele Eschweiler Kitas und Schulen. Während von ersteren jüngst die ersten beschlossen haben, ihre Aktivitäten im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung weiter auszubauen und eine Auszeichnung als FaireKITA anzustreben, ist die Bischhöfliche Liebfrauenschule Eschweiler bereits seit 2013 Fairtrade School. In beiden Fällen zählt u.a. die Verankerung von Nachhaltigkeit im Schul- bzw. Kitaalltag anhand der Thematik des Fairen Handels zu einer Auszeichnungsvoraussetzung.

Aber auch bei grundlegenderen Bedarfen hinsichtlich der Umsetzung von Ziel 4 werden in Eschweiler große Anstrengungen unternommen. So zeigt sich die Stadt vorbildlich, was den Ausbau frühkindlicher Bildungsangebote angeht und ist hinsichtlich des Angebots an Grund- und weiterführenden Schulen bestens aufgestellt. Mit der Volkshochschule verfügt Eschweiler zudem über eine wichtige Institution, die Möglichkeiten des lebenslangen Lernens bietet und – nebenbei erwähnt – in diesem Jahr ihr 100. Bestehen feiert. Und dass man immer noch etwas dazulernen kann, weiß zumindest jeder, der schon einmal den Spruch aus dem Eischwiele Platt zu hören bekommen hat, den man in der Indestadt dem 4. Nachhaltigkeitsziel zugeordnet hat: „Du bess so luus wie zwei Doofe.“


Ziel 5 – Hochwertige Bildung

Teil 5 der Nachhaltigkeitsserie: „Jede Jeck ess angersch“

UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 5 rückt die Gleichheit der Geschlechter in den Fokus. Mit Verabschiedung der Agenda 2030 haben sich somit alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen dazu bekannt, bis zum Jahr 2030 Geschlechtergleichstellung zu erreichen sowie alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung zu befähigen.

Von fehlender Chancengleichheit bis hin zu sexueller Ausbeutung – die Diskriminierung von Frauen und Mädchen macht sich bis heute in vielfältiger Weise bemerkbar. Bereits im letzten Teil unserer Nachhaltigkeitsserie zu Ziel 4 der UN-Agenda 2030 hatten wir beispielsweise auf die Problematik hingewiesen, dass von den 800 Millionen Analphabeten weltweit rund zwei Drittel Frauen sind. Auch verdienen Frauen im Durchschnitt fast ein Viertel weniger für die gleiche Arbeit als Männer. Und in den Parlamenten dieser Welt sitzen im Durchschnitt zu drei Vierteln Männer.

Dies sind nur einige Zahlen, die die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ausdrücken. Auch wenn in vielen Ländern zuletzt Erfolge hinsichtlich der Gleichberechtigung von Mann und Frau erzielt wurden, so gibt es jedoch bis heute kein Land in dem eine vollständige Gleichberechtigung erreicht ist.

Während mancherorts SDG 5 vor allem die Beseitigung noch teils weit verbreiteter struktureller Gewalt gegen Frauen und Mädchen wie Genitalverstümmelung oder Zwangsheirat forciert, stellen sich in Deutschland Herausforderungen vor allem in Hinsicht auf Entwicklungschancen und Gleichberechtigung in der Arbeitswelt. So liegt Deutschland beispielsweise beim sogenannten Gender Pay Gap innerhalb der EU auf den letzten Plätzen. Frauen in gleichen Leistungsgruppen verdienen rund 21 Prozent weniger pro Arbeitsstunde als Männer. Innerhalb der gesamten EU liegt dieser Wert bei 16.

Es gibt verschiedene Ursachen für den geringeren Durchschnittsverdienst von Frauen. Ein Grund dafür sind familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, die oftmals einen Karriere- und Gehaltsknick bedeuten. Dieser wiederum prägt sich umso stärker aus, je länger die Unterbrechung dauert.

Hier ist die Stadt Eschweiler aktiv geworden. Mit dem Ausbau frühkindlicher Betreuungsangebote legt die Stadt Eschweiler eine hohe Priorität auf die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Einige Einrichtungen bieten dabei bereits Betreuung zu Randzeiten und flexible Bring- und Abholzeiten an. Dadurch erhalten vor allem Frauen, auf die der überwiegende Anteil erziehungsbedingter Auszeiten im Beruf fällt, die Möglichkeit, nach Kinderpausen schnell wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Durch die in der Eschweiler Nachhaltigkeitsstrategie anvisierte Entwicklung eines neuen Konzepts zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie will die Stadtverwaltung zudem selber als positives Beispiel vorangehen und zugleich ihre Attraktivität als Arbeitgeberin steigern.

Im Übrigen wurde beim Erarbeiten des Eschweiler Rahmenwerks für nachhaltige Entwicklung hinsichtlich der Beseitigung von Diskriminierung über Ziel 5 deutlich hinausgegangen. Unabhängig von Alter, Migrationshintergrund, Sexualität, Religion oder Behinderung wird so im Themenfeld „Gesellschaftliche Teilhabe und Gender“ die gleichberechtigte Teilhabe aller als Grundpfeiler für eine zukunftsfähige Gesellschaft verstanden. Getreu dem Motto „Jede Jeck ess angersch“ sollen alle EinwohnerInnen Eschweilers in ihrer gesamten Vielfalt zur Bereicherung der Stadtgesellschaft beitragen.


Ziel 6 – Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen

Teil 6 der Nachhaltigkeitsserie: „Fott met dr Dress“

Im 6. nachhaltigen Entwicklungsziel der Vereinten Nationen wird die große Bedeutung der Verfügbarkeit und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser anerkannt. Gemeinsam mit sanitärer Versorgung stellen diese eine grundlegende Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung auf der ganzen Welt dar. Dementsprechend lautet die Hauptforderung von Ziel 6, den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen bis zum Jahr 2030 für alle Menschen sicherzustellen sowie die globalen Wasserressourcen nachhaltig zu bewirtschaften.

Dass Ziel 6 durchaus sehr ambitioniert ist, verdeutlichen die Zahlen eines aktuellen Berichts des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). So verfügt nämlich noch immer jeder dritte Mensch auf der Erde über keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Ganz zu schweigen von einer hygienischen Sanitärversorgung, die mehr als der Hälfte aller Menschen nicht zur Verfügung steht. Verschärft werden diese Probleme durch den Zuzug von immer mehr Menschen in Städte, das große Wachstum der Weltbevölkerung sowie den Klimawandel. Diese haben nämlich vielfach verheerende Auswirkungen auf die globalen Wasserressourcen und Ökosysteme.

Für Deutschland ist zwar die Trinkwasser- und Sanitärversorgung im Rahmen der Daseinsvorsorge gewährleistet, bei der Gewässer- und Wasserqualität stellen sich jedoch neue große Herausforderungen. So führen der Einsatz von zu viel Gülle und Mineraldünger in der Landwirtschaft zunehmend zu hohen Nitratbelastungen im Grundwasser. Um die Gesundheit der Verbraucher zu gewährleisten und den Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser einzuhalten, müssen die Wasserversorger deshalb immer mehr Aufwand bei der Wasseraufbereitung betreiben. Die Maßnahmen der Versorgungsunternehmen führen jedoch nur zu einem Zeitgewinn und nicht zu einer dauerhaften Lösung des Problems, sollte sich an der landwirtschaftlichen Praxis nichts ändern. In der Konsequenz drohen zukünftig massive Preissteigerungen beim Trinkwasser.

Nachhaltige Abhilfe kann hier u.a. die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft schaffen. In der Eschweiler Nachhaltigkeitsstrategie wird diesbezüglich eine deutliche Erhöhung an den Ackerflächen im Stadtgebiet anvisiert.

Dass man in der Indestadt bereits seit vielen Jahren in den Bereichen von SDG 6 aktiv ist, spiegelt sich u.a. in der Renaturierung der Inde sowie in der Entstehung und Bewirtschaftung des Blausteinsees wieder. So hat die Blaustein-See GmbH beispielsweise eine Reihe von Maßnahmen zum Gewässerschutz eingeleitet. Die ausgezeichnete Wasserqualität des Sees spricht für sich.

Den für den Wasserhaushalt wichtigen Schutz von Ökosystemen wie Flüssen bzw. deren Wiederherstellung kann man sich in Eschweiler übrigens bei einer Wanderung selbst vor Augen führen. Im Frühjahr dieses Jahres eröffneten die Wasserwege Blausteinsee sowie Inde und Omerbach. Hier können sich Naturliebhaber bei einer Wanderung entlang der genannten Gewässer interaktiv über Renaturierung und Umweltschutz informieren.

Von der Basisversorgung mit sauberem Trinkwasser und hygienischen Sanitäranlagen hin zum Schutz von Gewässern und Feuchtsystemen – Ziel 6 der UN-Nachhaltigkeitsagenda umfasst eine große Bandbreite an Handlungsfeldern. Und so passt der Spruch aus dem Eischwiele Platt, den man in der Eschweiler Verwaltung dem 6. Nachhaltigkeitsziel zugeordnet hat, sowohl auf Nitrat im Grundwasser als auch auf die Gedanken, die einem beim Betätigen der Klospülung durch den Kopf gehen mögen. Dieser lautet nämlich: „Fott met dr Dress!“


Ziel 7 – Bezahlbare und saubere Energie

Teil 7 der Nachhaltigkeitsserie: „Dr Wenk hätt sich jedriehnt“

Stärker als im 7. nachhaltigen Entwicklungsziel kann die Relevanz der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für Eschweiler nicht sichtbar werden. Geht es in Ziel 7 doch um das Thema Energie. Bereits seit mehr als hundert Jahren ist Eschweiler Energiestandort. Allerdings wird bis heute ein beachtlicher Anteil der in Eschweiler erzeugten Energie durch die Verbrennung von Braunkohle gewonnen, was zu einem starken Ausstoß von klimaschädlichem CO2 führt. Dass die Zukunft der Stromerzeugung in den erneuerbaren Energien liegt, weiß man in Eschweiler nicht nur dank des ausgeprägten Nachhaltigkeitsbewusstseins. Allein schon die Tatsache, dass 2030 die Braunkohle im Tagebau Inden erschöpft ist, macht ein Umdenken bei der Energiegewinnung unausweichlich. Und so hat die Stadt Eschweiler bereits vor mehreren Jahren damit begonnen, auch auf den Ausbau erneuerbarer Energien wie Solar und Windkraft zu setzen und durch Gebäudesanierung die Effizienz verbrauchter Energie zu erhöhen.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das beispielsweise, dass bereits heute ca. 80% des Eschweiler Strombedarfs durch in Eschweiler nachhaltig erzeugten Strom abgedeckt werden können. Es sind u.a. solche Zahlen, die dazu geführt haben, dass Eschweiler seit 2014 mit dem European Energy Award (EEA) zertifiziert ist.

So wie der EEA jedoch als ein Prozess zu verstehen ist und die Leistungen in regelmäßigen Abständen zu bestätigen sind, so sieht auch Eschweiler sich selbst mitten in einem Prozess, was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht. In der Eschweiler Nachhaltigkeitsstrategie ist diesbezüglich beispielsweise das klare Ziel formuliert, die Nutzung von Öko-Strom in städtischen Gebäuden bis 2022 auf 100% zu erhöhen. Ebenso soll bis 2030 eine nahezu vollständige Versorgung neuer Wohngebiete mit regenerativer Wärme sichergestellt sein.

Für viele Menschen in anderen Teilen der Welt mögen die Eschweiler Herausforderungen zu SDG 7 wie „Luxusprobleme“ erscheinen. Geht es doch in den Unterzielen von Ziel 7 auch um die Beseitigung von weitaus grundlegenderen Missständen. So wird im ersten Unterziel zunächst einmal der Zugang zu Energie für alle gefordert, der vor allem in vielen Ländern Afrikas alles andere als selbstverständlich ist. Weltweit verfügen übrigens bis heute rund eine Milliarde Menschen über keinen Stromanschluss. Anders als in der Vergangenheit in Ländern wie Deutschland soll die allgemeine Elektrifizierung in den Regionen mit Nachholbedarf dabei allerdings von Beginn an mithilfe nachhaltiger Energien erfolgen.

Dieser – wenn auch manchmal noch langsam – voranschreitende weltweite Wandel hin zum Zeitalter der regenerativen Energien lässt sich nicht mehr aufhalten. Um es kurz und treffend auszudrücken: „Dr Wenk hätt sich jedriehnt.“