Der Rat der Stadt Eschweiler hat in seiner Sitzung am 06.05.2026 die erste Kommunale Wärmeplanung für Eschweiler beschlossen. Damit geht Eschweiler zielstrebig voran und erfüllt die Vorgaben aus dem Wärmeplanungsgesetz knapp zwei Jahre vor der Frist. Da die Wärmeplanung ein strategisches Planungsinstrument ist, hat der Beschluss keine Rechtswirkung und damit keine direkten Auswirkungen auf das Heizen in Eschweiler. Die Wärmeplanung liefert jedoch wertvolle Informationen und bildet damit das Fundament für Entscheidungen über die weitere Entwicklung hin zu einer sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Wärmeversorgung für alle Menschen in Eschweiler.
Im Juli 2026 gab es zwei wichtige Änderungen für das Thema Heizung: Das Gebäudeenergiegesetz wurde durch das Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt und die Bundesförderung für effiziente Gebäude wurde angepasst. Zu beiden Änderungen finden Sie Informationen für Verbraucher*innen auf der rechten Seite.
Wärme oder genauer gesagt der Bedarf an Wärme begegnet uns quasi überall in unserem Alltag. Wir benötigen Wärme oft direkt, beispielsweise, wenn wir es in unseren Räumen angenehm haben möchten oder warmes Wasser beim Duschen benötigen. Häufig merken wir aber gar nicht, wo Wärmeenergie notwendig ist. So z.B. in der Produktion, wo teilweise sehr hohe Temperaturen erforderlich sind, wie etwa bei der Stahl- oder Lebensmittelherstellung. Diese drei Bereiche (Raumwärme, Heißwasser und Prozesswärme) bilden zusammen unseren gesamten Wärmebedarf.
Aber wie sieht die Situation der Wärmeversorgung in Eschweiler momentan aus? In Zahlen zeigen die drei folgenden Diagramme ein paar wichtige Kennzahlen:

Der Anteil der Wärme an der gesamten benötigten Endenergie in Eschweiler liegt aktuell bei 66 %, und ist damit um ein Vielfaches größer als der Strombedarf (Abb. 1).


Mit etwa 40 % wird der größte Teil der Endenergie von den Haushalten in Eschweiler verwendet, gefolgt von Gewerbe, Handel & Dienstleistungen (GHD) mit 33 % und dem Mobilitätsbereich mit 21 %. Die Industrie (4 %) und öffentliche Einrichtungen (2 %) haben dagegen deutlich kleinere Anteile (Abb. 2).
Die Erzeugung der Wärme geschieht aktuell mit 97 % noch fast ausschließlich über fossile Energieträger. Lediglich 3 % der Wärme stammt derzeit aus erneuerbaren Energien (Abb. 3).
Wärme spielt also eine sehr große Rolle, wenn es um unsere Energieversorgung in Eschweiler geht. Daher ist es nur logisch, dem Thema Wärmeversorgung mehr Aufmerksamkeit zu widmen, damit auch in Zukunft sicher, bezahlbar und nachhaltig in Eschweiler geheizt werden kann. Die Zukunft der Wärmeversorgung ist ein wichtiges und komplexes Thema, daher braucht es einen guten Plan. Den ersten Schritt hierfür ist die Stadt Eschweiler durch die Erstellung der ersten Kommunalen Wärmeplanung für Eschweiler bereits gegangen. Das Ziel war es, herauszufinden, welche Wärmeversorgungsoption in einem bestimmten Gebiet besonders gut geeignet ist.
Diese Internetseite versorgt Sie mit den notwendigen Informationen über die Kommunale Wärmeplanung in Eschweiler. Unter diesem Text finden Sie einen Informationsbereich, der Antworten auf verschiedene Fragen gibt. Auf der rechten Seite befinden sich außerdem Verlinkungen zu weiteren Informationsangeboten zu den Themen Heizen und Sanieren.
Häufig gestellte Fragen
1 Kommunale Wärmeplanung? Was ist das?
Kurze Antwort: Die Kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Planungsinstrument, mit der die zukünftige Wärmeversorgung in einer Kommune entwickelt werden soll. Sie beschäftigt sich mit ganz grundsätzlichen Aspekten der Wärmeversorgung in Eschweiler, die für das gesamte Stadtgebiet relevant sind. Diese hohe Betrachtungsebene bedingt, dass die Wärmeplanung sich nicht detailliert mit einzelnen Straßenabschnitten oder Gebäuden beschäftigen kann.
Ausführliche Antwort: Für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung braucht die Kommune einen guten und vorausschauenden Plan, denn es gibt viele verschiedene Aspekte zu beachten und Fragen zu klären. Gleichzeitig müssen die verschiedenen Einzelentwicklungen im Wärmebereich, die bereits stattfinden oder stattfinden sollen, aufeinander abgestimmt werden, damit sie am Ende zueinander passen.
Um sicherzustellen, dass alles passt, müssen die verschiedenen Betrachtungsebenen der Wärmeversorgung ganzheitlich berücksichtigt werden: Von der umfassenden, aber weniger detaillierten Ebene des gesamten Stadtgebiets über die Stadtteile hin zu einzelnen Quartieren oder Straßenzügen - je kleiner das betrachtete Gebiet, desto größer der Detailgrad und die Genauigkeit. So kann aus den Informationen, die auf der Ebene des gesamten Stadtgebiets vorliegen (zum Beispiel wo sich Industrie- oder Gewerbegebiete mit höherem Wärmebedarf befinden), eine schlüssige Versorgung mit Wärme auf den darunterliegenden Ebenen geplant werden.
Da die Betrachtungsebenen dabei unterschiedlich sind, sind auch die verschiedenen Ergebnisse und Pläne unterschiedlich. So kann es beispielsweise für ein Quartier ein Wärmeversorgungskonzept geben, bei dem verschiedene Wärmequellen gelistet werden, mit denen das Quartier versorgt werden soll. Oder aber es gibt einen Netzplan für ein Wärmenetz in einer Straße, der genau beschreibt, wo die Rohre des Netzes liegen sollen.
Der Kommunale Wärmeplan ist genau wie ein Wärmeversorgungskonzept oder ein Netzplan ein Teilstück der Gesamtbetrachtung. Im Wärmeplan wird das gesamte Stadtgebiet berücksichtigt. Da das betrachtete Gebiet so groß ist, ist der Detailgrad der Untersuchungen eher gering. Ein Ergebnis der Wärmeplanung ist zum Beispiel eine Empfehlung für den groben Entwurf von Gebieten in der Stadt, in denen eine Versorgung über Wärmenetze sinnvoll wäre. Etwas so Genaues, wie beispielsweise ein Netzplan mit der Angabe, wo genau die Rohre der Wärmenetze liegen würden, ist für eine Kommunale Wärmeplanung viel zu detailliert und daher nicht Teil der Ergebnisse.
2 Warum macht die Stadt das?
Kurze Antwort: Damit wir alle in Eschweiler in Zukunft sicher und bezahlbar heizen können. Dafür ist es notwendig, dass die Wärmeversorgung so verbessert wird, dass wir keine fossilen Energieträger mehr benötigen. Es braucht einen guten Plan, damit dieser Prozess möglichst günstig und effizient ablaufen kann. Die Kommunale Wärmeplanung liefert viele Informationen, die für einen guten Plan notwendig sind. Das Thema ist so wichtig, dass es mit dem Wärmeplanungsgesetz ein Gesetz gibt, dass den Kommunen für die Erstellung der Wärmepläne den Rücken stärkt, unter anderem, indem es vorgibt, dass Kommunale Wärmepläne flächendeckend erstellt werden müssen.
Ausführliche Antwort: Dass aktuell nahezu der gesamte Wärmebedarf noch fossil gedeckt wird, bedingt eine große Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten aus anderen Weltregionen und von Turbulenzen auf den Weltmärkten. Die möglichen Konsequenzen in Form von unsicheren Versorgungsketten, steigenden Preisen und starken Kostenspitzen sind uns allen in der vergangenen Zeit deutlich vor Augen geführt worden. Hinzu kommt, dass fossile Energieträger endlich sind und der Abbau dadurch immer aufwendiger und damit auch zunehmend teurer wird.
Gleichzeitig sorgt die Verbrennung der fossilen Energieträger für eine immer höhere Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre. Die Menschheit befeuert so im wahrsten Sinne des Wortes die globale Erdüberhitzung. Die Konsequenzen steigender Temperaturen erleben wir alle bereits unübersehbar, sowohl weltweit als auch direkt in Eschweiler selbst: Häufigere und extremere Dürren, Hitzewellen, Starkniederschläge, Hochwasser und Stürme, die mittlerweile Schäden in Milliardenhöhe verursachen, zu steigenden Lebensmittelpreisen aufgrund von Missernten führen und Menschen töten. Neben diesen offensichtlichen Gefahren erzeugt die Verbrennung von Energieträgern außerdem noch für weniger sichtbare Gefahren in Form von Luftverschmutzung in Eschweiler. Stickoxide und Feinstaub sind gesundheitsschädlich, greifen zum Beispiel die Lunge an und sind krebserregend. Insbesondere Kinder und Ältere sind gefährdet. Die vermeintlich günstigen fossilen Brennstoffe besitzen hohe versteckte Kosten, die wir zwar alle bezahlen müssen, aber beim Kauf nicht auf dem Preisschild stehen.
Um den wahren Kosten näher zu kommen und den Märkten zu ermöglichen, ihr Verhalten auf echte ökonomische Fakten zu stützen, gibt es sowohl den Europäischen Emissionshandel als auch die CO2-Steuer in Deutschland. Diese beiden Werkzeuge geben dem Ausstoß von Treibhausgasen einen Preis, um die dadurch verursachten Schäden einzukalkulieren. Da bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern viele Treibhausgase freigesetzt werden, steigt hierdurch deren Preis. Aktuell liegt diese Korrektur noch weit von den tatsächlichen Kosten entfernt. In den nächsten Jahren und langfristig wird die Höhe der Korrektur immer weiter steigen, sodass fossile Energieträger ihren wahren Kosten immer näherkommen und der Preis immer weiter steigt. So werden die verschleierten Kosten Stück für Stück offengelegt, sodass sich realistische ökonomische Entscheidungen treffen lassen.
Wenn wir bei unserer bisherigen Wärmeversorgung bleiben, dann werden wir mit immer stärkeren Extremwettereignissen, steigenden Kosten und einer unsicheren Versorgungslage konfrontiert werden. Wenn wir hingegen unser Wärmeversorgungssystem umbauen, bietet sich uns eine große Chance für Verbesserungen. Wir können die Wirtschaftlichkeit und die lokale Wertschöpfung stärken, dabei unsere Gesundheit schützen und haben einen großen Hebel dafür in der Hand, Menschen vor einem immer extremeren Klimawandel zu bewahren.
Diesem Umstand trägt auch das Wärmeplanungsgesetz auf Bundesebene Rechnung. Um den Kommunen bei der Erstellung einer Kommunalen Wärmeplanung den Rücken zu stärken, schreibt das Gesetz vor, dass flächendeckend Wärmepläne ausgearbeitet werden müssen.
Die Verbesserung der städtischen Wärmeversorgung ist ein komplexer Prozess, für den es einen guten Plan mit Weitblick braucht, der die Situation ganzheitlich betrachtet. Um herauszufinden, wie eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Wärmeversorgung in Eschweiler aussehen kann und für alle in Eschweiler mehr Planungssicherheit zu schaffen, hatte sich die Stadt Eschweiler weit vor dem Beschluss des Wärmeplanungsgesetzes als eine Vorreiterin in NRW dazu entschlossen, diese große Chance zu nutzen und sich auf den Weg zur Erstellung einer Kommunalen Wärmeplanung gemacht. Der fertige Kommunale Wärmeplan ist vom Rat der Stadt Eschweiler in Seiner Sitzung am 06.05.2026 beschlossen worden. Damit geht Eschweiler zielstrebig voran und erfüllt die Vorgaben aus dem Wärmeplanungsgesetz knapp zwei Jahre vor der Frist.
3 Was wird bei einer Kommunalen Wärmeplanung gemacht?
Kurze Antwort: Es kommen alle Fakten auf den Tisch: Wo wird wie viel Wärme verbraucht? Welche regenerativen Wärmequellen gibt es vor Ort? Welche Potenziale zur Sanierung und damit zur Verringerung des Wärmebedarfs gibt es? Auf Grundlage dieser Daten wird ein Zielszenario für eine klimaneutrale Wärmeversorgung entwickelt. Zuletzt werden Maßnahmen vorgeschlagen, um dieses Zielszenario zu erreichen.
Ausführliche Antwort: Die Kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Planungsinstrument, das die gesamte Stadtfläche auf Basis von energietechnischen Fakten betrachtet. Der Detailgrad ist aufgrund dieser stadtweitern Betrachtung aber geringer als zum Beispiel bei einem Bebauungsplan oder Quartierskonzept. Das heißt, dass beispielsweise Aussagen zu einzelnen Gebäuden nicht möglich sind. Die Ergebnisse der Wärmeplanung sind eine unverbindliche Empfehlung und rechtlich nicht bindend.
Die Kommunale Wärmeplanung soll Antworten finden auf folgende Fragen:
- Wie weit können wir unseren Wärmebedarf reduzieren?
- Wie können wir uns mit Wärme versorgen, ohne Treibhausgase auszustoßen?
- Welche Verbesserungen müssten dafür in Eschweiler vorgenommen werden und wer müsste sich darum kümmern?
Insgesamt beinhaltet die Kommunale Wärmeplanung vier Schritte:
- Bestandsanalyse: Die aktuelle Situation der Wärmeversorgung in Eschweiler wird analysiert. Dazu zählen beispielsweise der Wärmebedarf und womit geheizt wird. Auch die Gebäudestruktur ist wichtig, also ob es sich um Einzel- oder Mehrfamilienhäuser handelt und in welchem Sanierungszustand sie sich befinden. Hierzu werden vor allem bereits vorhandene Daten genutzt. Lediglich Akteure, die einen besonders großen Wärmebedarf haben oder viel nutzbare Abwärme erzeugen, wie etwa bestimmte Unternehmen, werden zusätzlich zu ihrer Wärmeversorgung befragt.
- Potenzialanalyse: Es wird untersucht, welche Potenziale es in Eschweiler zur Erzeugung von erneuerbarer Wärme gibt. Hierzu zählen unter anderem Geothermie, unvermeidbare Abwärme aus Industrie und Gewerbe oder Solarthermie, aber auch erneuerbare Stromquellen, die Wärmepumpen versorgen könnten. Außerdem wird ermittelt, wie weit der Wärmebedarf durch Sanierungen verringert werden kann.
- Entwicklung von Zielszenarien: Die Erkenntnisse aus den beiden vorherigen Phasen werden genutzt, um mehrere Szenarien für eine Wärmeversorgung in Eschweiler zu erstellen, die spätestens 2045 Klimaneutralität erreicht haben müssen. Hierbei wird auch abgeschätzt, wie sich der Wärmebedarf zukünftig wahrscheinlich entwickeln wird. Die Szenarien werden bewertet und das insgesamt beste Szenario wird als Zielszenario ausgewählt. Ein wichtiges Ergebnis dieser Phase ist ein Vorschlag für die Einteilung der Stadtfläche in Wärmeversorgungsgebiete.
- Erstellung eines Maßnahmenkatalogs: Es werden Vorschläge für Maßnahmen entwickelt, um das zuvor ausgewählte Zielszenario umsetzen zu können.
Zum Schluss muss der Stadtrat den erarbeiteten Wärmeplan beschließen. Der beschlossene Wärmeplan muss dann vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) überprüft werden. Wie mit den Empfehlungen der Kommunalen Wärmeplanung im weiteren Prozess in Eschweiler umgegangen wird, muss im politischen Prozess diskutiert und entschieden werden. Die Wärmeplanung muss außerdem spätestens alle fünf Jahre erneut geprüft und gegebenenfalls fortgeschrieben werden.
4 Was sind Wärmeversorgungsgebiete?
Ein wichtiges Ergebnis des dritten Schritts der Erstellung der Wärmeplanung ist der Vorschlag für die Einteilung der Stadtfläche in Wärmeversorgungsgebiete. Diese Einteilung spiegelt wider, ob die Versorgung eines Gebiets mittels eines Wärme- oder eines Wasserstoffnetzes sinnvoll ist und falls ja, welche Variante besser ist. Falls weder ein Wasserstoff- noch ein Wärmenetz in einem Gebiet sinnvoll ist, gilt es als Gebiet für die dezentrale Wärmeversorgung. In solchen Gebieten ist die Errichtung von Netzen zur Wärmeversorgung unwahrscheinlich und die Gebäude werden aller Voraussicht nach mit anderen Techniken versorgt werden müssen, wie zum Beispiel Wärmepumpen. Hierdurch verbessert sich die Planungssicherheit für alle in Eschweiler.
Die Festlegung jedes Wärmeversorgungsgebietes muss vom Stadtrat nach der Erstellung und dem allgemeinen Beschluss der Wärmeplanung gesondert beschlossen werden. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, Wärmeversorgungsgebiete beschließen zu müssen. Ein solcher Beschluss ist freiwillig.
5 Was bedeutet das für mich? Ist die Wärmeplanung bindend?
Die Kommunale Wärmeplanung besitzt keine rechtliche Verbindlichkeit. Alle Ergebnisse der Wärmeplanung sind zunächst Empfehlungen. Der Beschluss des Wärmeplans durch den Stadtrat bedeutet also nicht, dass die genannten Vorschläge oder auch die Einteilung der Wärmeversorgungsgebiete auch so umgesetzt werden (müssen).
Die Kommunale Wärmeplanung trifft keine Entscheidungen, sondern liefert die Rahmenbedingungen, die notwendig sind, damit von politischer Seite aus wohlüberlegte Entscheidungen im weiteren Prozess getroffen werden können. Auf Basis der Kommunalen Wärmeplanung können dann anschließend zum Beispiel Quartierskonzepte für die Wärmeversorgung erarbeitet werden, die die notwendige Detailtiefe sowie wirtschaftliche und technische Lösungen bieten.
Viele Bürger*innen interessiert, ob für ihr Gebäude ein Anschluss an eine zentrale Wärmeversorgung über ein Netz möglich ist – und wenn ja, wann. Diese nachvollziehbaren konkreten Fragen werden durch den Kommunalen Wärmeplan noch nicht beantwortet. Die Wärmeplanung liefert eine erste Orientierung, keine genaue und endgültige Antwort auf die Frage, wie einzelne Gebäude zukünftig mit Wärme versorgt werden. Sie ersetzt keine individuelle Energieberatung (siehe hierzu Punkt 10). Ein Anspruch auf eine bestimmte Versorgung besteht nach dem Wärmeplanungsgesetz nicht.
Trotz ihrer rechtlichen Unverbindlichkeit und ihrer hohen Betrachtungsebene führt die Wärmeplanung für alle in Eschweiler zu einer Verbesserung der Planungssicherheit, denn alle in Eschweiler werden mehr Klarheit haben über die ihnen voraussichtlich zur Verfügung stehenden Wärmeversorgungsoptionen.
6 Kann eine Wärmeversorgung nur mit erneuerbaren Energien funktionieren?
Kurze Antwort: Ja!
Ausführliche Antwort: Das beste Beispiel hierfür ist Dänemark. Dort ist in vielen Gemeinden im ganzen Land eine rein auf erneuerbaren Energien basierende Wärmeversorgung bereits Realität. Dänemark hat bereits vor einigen Jahrzehnten konsequent den Weg hin zu einer Wärmeplanung eingeschlagen und hat viele Erfahrungen gesammelt, die genutzt werden können. Ein Großteil der Wärmeversorgung in diesen dänischen Städten findet über Wärmenetze statt, die auch mit saisonalen Speichern ausgestattet sind. Die Einwohner*innen dieser Städte können sich schon heute über eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung freuen.
Wissenschaft und Technik sind sich einig. Das Wissen und die erforderlichen Technologien existieren schon lange, wie Dänemark beweist. Was jetzt notwendig ist: den Weg hin zur Wärmeplanung klar einschlagen, einen guten Plan machen und die nötigen Verbesserungen durchführen. Deutschland ist hier übrigens bei weitem nicht alleine. Neben Dänemark als Vorbild machen sich auch andere Länder in Europa auf den Weg zur Wärmeplanung, wie die Niederlande, Österreich oder die Schweiz. Und Schweden zeigt als nordisches Land mit kalten Wintern eindrücklich, dass moderne Wärmenetze und Wärmepumpen auch bei deutlich tieferen Temperaturen eine sichere und bezahlbare Wärmeversorgung gewährleisten.
Wichtig ist hierbei, dass es nicht nur darum geht, andere Wärmequellen zu nutzen, sondern auch darum, den Wärmebedarf insgesamt mit Hilfe von Gebäudesanierungen zu verringern. Momentan verschwenden wir viel Wärmeenergie in schlecht gedämmten Gebäuden. Dabei schmeißen wir also wortwörtlich Geld zum Fenster hinaus. Und niemand mag Verschwendung. Die beste und günstigste Energie ist die, die gar nicht benötigt wird. Daher ist es wichtig, dass nicht nur die Versorgung mit Wärme anders gestaltet wird, sondern auch, dass wir Bestandsgebäude so sanieren, dass sie deutlich weniger Wärme benötigen, damit wir uns in ihnen wohl fühlen. Auch hiermit beschäftigt sich die Kommunale Wärmeplanung.
7 Welche Rahmenbedingungen gibt es für die Wärmeplanung in Eschweiler?
Die Stadt Eschweiler ist im Sinne des Wärmeplanungsgesetzes die planungsverantwortliche Stelle für die Kommunale Wärmeplanung. Angesiedelt ist die Wärmeplanung bei der Abteilung für Nachhaltige Entwicklung innerhalb des Planungsamtes. Darüber hinaus sind viele weitere Fachbereiche der Stadtverwaltung beim Thema Wärmeplanung involviert.
Die Wärmeplanung wurde jedoch nicht von der Stadt Eschweiler alleine erstellt, sondern in Zusammenarbeit mit einem Dienstleistungsunternehmen. Innerhalb eines offiziellen Vergabeverfahrens standen mehrere Dienstleistende mit ihren Angeboten im Wettbewerb miteinander. Am besten bewertet wurde das Angebot des Gespanns bestehend aus der EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH und der greenventory GmbH aus Freiburg, die daraufhin mit der Erstellung beauftragt wurden. Die EWV GmbH war für die Koordinierung des Projekts verantwortlich und brachte ihr Wissen über die Wärmeversorgung in der Region ein. Die greenventory GmbH steuerte ihr ingenieurwissenschaftliches Wissen und die Erfahrungen aus der Wärmeplanung in Baden-Württemberg bei.
8 Woher kamen die Daten? Was ist mit dem Datenschutz?
Für die Erstellung der Bestands- und der Potenzialanalysen waren unterschiedliche Daten erforderlich, die bei verschiedenen Stellen abgefragt wurden, z.B. bei Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreibern oder aus Studien stammten. Unter den Daten, die verarbeitet wurden, können auch datenschutzrechtlich relevante Daten sein, die jedoch benötigt wurden. Ihr Energieversorger weiß zum Beispiel über den Verkauf logischerweise, wie viel Erdgas Sie zum Heizen benötigen. Der Schutz Ihrer Daten wird grundsätzlich durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gewährleistet. Das Wärmeplanungsgesetz macht außerdem genaue Vorgaben, welche Daten bei der Erstellung der Wärmeleitplanung wie genutzt werden dürfen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um dem Datenschutz gerecht zu werden. Beispiele hierfür sind die Aggregation von Daten einzelner Gebäude zu Paketen, sodass die Daten den einzelnen Gebäuden nicht mehr zugeordnet werden können oder die Anonymisierung der Daten.
Hierzu ist zwischen der Stadt Eschweiler und der EWV GmbH eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung unterzeichnet worden. Mit dieser verpflichtet sich die EWV GmbH als Dienstleister dazu, die datenschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Eine solche Vereinbarung ist auch zwischen der EWV GmbH und der greenventory GmbH geschlossen worden, um sicherzustellen, dass alle Projektbeteiligten die Anforderungen des Datenschutzes achten.
9 Gab es eine Beteiligung?
Die Stadt Eschweiler hat und wird die Öffentlichkeit weiterhin über verschiedene Kanäle über die Kommunale Wärmeplanung und ihre Umsetzung informieren. Der Kommunale Wärmeplan ist öffentlich einsehbar (siehe rechte Seite unter "Downloads").
An der Erstellung der Wärmeleitplanung wurden relevante Akteur*innen unter anderem in Form von Workshops beteiligt. Dies sind beispielsweise Netzbetreiber, Unternehmen mit einem großen Wärmebedarf oder großen Mengen an unvermeidbarer Abwärme oder große Wohnungsgesellschaften. Während des Erstellungsprozesses gab es am 28.11.2024 für die weitere Öffentlichkeit eine gesonderte Informationsveranstaltung. Darüber hinaus bestand nach dem Entwurf des Zielszenarios die Möglichkeit der Einsichtnahme und der Abgabe von Stellungnahmen für alle Bürgerinnen und Bürger. Eine direkte Beteiligung der Öffentlichkeit an der Erstellung der Wärmeplanung fand nicht statt.
10 Was ist mit meiner Heizung? Was kann ich tun? Wo finde ich Unterstützung?
Kurze Antwort: Die Fertigstellung der Wärmeplanung führt zu keinen neuen Pflichten hinsichtlich Ihrer Heizung. Die Regelungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes gelten unverändert. Sowohl als Eigentümer*in als auch als Mieter*in haben Sie die Möglichkeit, die Wärmewende in Ihrem eigenen Interesse zu unterstützen, indem Sie Sanierungsmaßnahmen vornehmen, Ihr Nutzungsverhalten optimieren oder auf eine nachhaltige Heizung umsteigen. Informationen und Unterstützung gibt es hierzu von verschiedenen Seiten (siehe rechts).
Ausführliche Antwort: Auch zukünftig werden wir Energie für Heizung, Warmwasser und Prozesswärme benötigen. Wichtig ist, die Potenziale auszuschöpfen, insgesamt weniger Wärme zu verbrauchen. Hier spielt vor allem die Sanierung unserer Gebäude eine große Rolle. Das, was hinterher an Wärmebedarf übrig ist, muss aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.
Mit dem Umbau des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMod) haben sich einige Anforderungen und Regeln für Heizungen geändert. Die Fertigstellung der Wärmeplanung führt zu keinen neuen Pflichten hinsichtlich Ihrer Heizung. Einen guten Überblick über die geänderten Regeln finden Sie beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Heizungswegweiser. Dieser bietet eine erste Einschätzung, ersetzt jedoch keine umfassende individuelle Beratung. Den Heizungswegweiser finden Sie hier und weitere Informationen zum GModG hier. Zum GModG informiert auch die Verbraucherzentrale hier.
Wollen Sie schon jetzt aktiv werden, auch wenn Ihre Heizung noch intakt ist, bietet es sich an, zunächst zu prüfen, ob der Wärmebedarf Ihres Zuhauses gesenkt werden kann (insbesondere durch Dämmmaßnahmen oder Fenstertausch). Gleichzeitig können so Heizkosten gesenkt werden. Dafür kann etwa ein geförderter individueller Sanierungsfahrplan (iSFP, Link zur Förderung) von einem oder einer Energieexpert*in erarbeitet werden. Diese finden Sie hier. Informationen zum iSFP bietet auch die Verbraucherzentrale NRW hier.
Wie die Umsetzung dieser Maßnahmen durch den Bund (BEG) gefördert wird, erfahren Sie hier und über die Verbraucherzentrale hier. Antworten auf Detailfragen bieten die Fördermittelgeber in ihren FAQ hier.
Aufgrund aktueller Förderbedingungen wie dem Geschwindigkeitsbonus kann es sich für Sie schon jetzt lohnen, den Wechsel der Heizung auf eine Versorgung mit erneuerbaren Energien zu planen. Mehr Informationen zu den Förderungen hier (KFW Heizungsförderung) und bei der Verbraucherzentrale hier. Diese bietet auch umfangreiche Beratungsangebote etwa über Online-Seminare.
Auch als Mieterin oder Mieter hat man verschiedene Möglichkeiten, Heizenergie und -kosten zu sparen oder klimafreundlich zu beziehen – zum Beispiel durch Energiesparmaßnahmen, bei der Auswahl des Gasliefervertrags oder in Zusammenarbeit mit Vermieter bzw. Vermieterin - Beratung dazu finden Sie bei der Verbraucherzentrale hier. Zum Thema Heizung berät außerdem der in Aachen ansässige, gemeinnützige Verein „altbau plus“.
11 Wäre Wasserstoff nicht eine gute Lösung?
Kurze Antwort: Stand heute ist es sehr unwahrscheinlich, dass grüner Wasserstoff zukünftig wirtschaftlich in der Wärmeversorgung von Gebäuden eingesetzt wird. Grüner Wasserstoff wird benötigt für andere Nutzungsbereiche, in denen es keine realistischen Alternativen gibt. Durch diese große Nachfrage wird grüner Wasserstoff absehbar ein knappes und teures Gut bleiben. Lassen Sie sich daher beim Kauf einer neuen Heizung kompetent und unabhängig beraten.
Ausführliche Antwort: Wasserstoff wird schon seit langer Zeit genutzt, beispielsweise in der chemischen Industrie. Dort wird er entweder als Energielieferant oder als stoffliches Ausgangsmaterial für chemische Reaktionen genutzt. Dieser Wasserstoff wird jedoch zum Großteil aus fossilem Erdgas gewonnen. Da wir zukünftig keine fossilen Energieträger mehr nutzen wollen, muss der benötigte Wasserstoff aus einer anderen Quelle kommen.
Wasserstoff kann nicht wie fossile Energieträger abgebaut werden, da es in der Natur kaum nennenswerte Vorkommen gibt. Eine Herstellung von Wasserstoff ist möglich über die Spaltung von Wasser in Elektrolyseuren mit Hilfe von Strom. Wird dazu Strom aus erneuerbaren Quellen wie Windkraft oder Solarenergie genutzt, werden bei der Herstellung keine Treibhausgase erzeugt und der Wasserstoff wird als grün bezeichnet. Grüner Wasserstoff kann in vielen Bereichen eingesetzt werden, um Prozesse frei von fossilen Energieträgern zu machen, also zu dekarbonisieren.
Grüner Wasserstoff ist daher keine Energiequelle wie Kohle oder Erdöl, sondern ein Energiespeicher, denn wir müssen viel Energie in Form von Strom einsetzen, um überhaupt erst einmal Wasserstoff zu gewinnen. Wie alle Prozesse ist die Elektrolyse mit Energieverlusten behaftet. Das heißt, in dem erzeugten Wasserstoff steckt weniger nutzbare Energie, als zuvor für die Herstellung des Wasserstoffs notwendig war.
Weil die Gewinnung und Handhabung von Wasserstoff aufwändig und damit auch teuer sind, wird der Einsatz von Wasserstoff nicht überall dort, wo es technisch möglich ist, auch sinnvoll sein. In manchen Prozessen ist grüner Wasserstoff Stand heute jedoch die einzige sinnvolle Möglichkeit für die Dekarbonisierung. Der Bedarf dieser Prozesse an Wasserstoff ist hoch, weshalb grüner Wasserstoff absehbar ein knappes und damit teures Gut bleiben wird.
Für viele Anwendungsfälle gibt es Alternativen zu Wasserstoff, die effizienter und günstiger sind. Ein gutes Beispiel ist hier die Versorgung von Gebäuden mit Wärme. Die Beheizung eines Gebäudes über Wasserstoff benötigt etwa vier- bis fünfmal so viel erneuerbaren Strom wie eine Luftwärmepumpe. Dementsprechend müssten bei einer Wärmversorgung über Wasserstoff viel mehr Windräder, Photovoltaikanlagen und Stromspeicher gebaut werden, was zusätzliche Kosten verursachen würde.
In Sinne der Effizienz und der Kosten sollte grüner Wasserstoff nur dort verwendet werden, wo es keine guten Alternativen gibt. Für die Beheizung von Gebäuden gibt es aber gute Alternativen. Außerdem ist fraglich, ob die Verfügbarkeit einer für die Versorgung von Gebäuden notwendigen Menge an Wasserstoff überhaupt verpflichtend sichergestellt werden kann seitens der Erzeuger und Netzbetreiber. Daher ist es nach heutigem Stand sehr unwahrscheinlich, dass grüner Wasserstoff in Zukunft in großem Maße zum Heizen genutzt werden wird. Eschweiler wird zwar direkt an einer Leitung des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes liegen. Dieser Anschluss wird jedoch für die Industrie und das geplante Wasserstoff-Kraftwerk in Weisweiler verwendet werden. Mit einem Umbau der bestehenden Erdgas-Netze in Eschweiler zu wasserstofffähigen Netzen sollte nicht gerechnet werden.
Seien Sie daher vorsichtig, wenn Sie Ihre zukünftige Heizung planen möchten. Lassen Sie sich unabhängig und kompetent beraten (siehe hierzu Punkt 10). Neue Gasheizungen, die „H2-ready“ sind, können teuer sein in der Anschaffung, obwohl unwahrscheinlich ist, dass jemals Wasserstoff in ihnen verbrannt werden wird.
