Nördlich Dreiers Gärten: Preisgericht kürt Sieger des Wettbewerbs


Es ist eins der aktuell größten städtebaulichen Vorhaben in Nordrhein-Westfalen: Die Projekt Dreiers Gärten GmbH aus Idstein plant in Zusammenarbeit mit der Stadt Eschweiler die Erschließung und Entwicklung eines rund neun Hektar großen Gebietes am Rand der Eschweiler Innenstadt. Es handelt sich um das Areal „Nördlich Dreiers Gärten“, das dem Projekt seinen Namen gegeben hat.

Ziel der Stadt Eschweiler ist die Entwicklung eines Wohnquartiers sowie die Planung der benötigten Hauptwache der Feuerwehr. Es soll ein attraktives, kompaktes Quartier mit kurzen Wegen und einer guten Nutzungsmischung entstehen. Das Angebot verschiedener Wohnformen und -qualitäten soll das Interesse unterschiedlicher Nutzergruppen wecken. Geplant ist ein „Quartier der Zukunft“, das eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität und darüber hinaus im nördlichen Bereich Teilflächen für nicht störende Gewerbebetriebe und eine Kleingartenanlage bietet.

 Ein wesentlicher Bestand der Planung war der städtebaulich-freiraumplanerische Realisierungswettbewerb, an dem sich acht Büros beteiligt haben. Dieser ist jetzt abgeschlossen worden. Den ersten Preis für die bedeutsame Aufgabe geht an das Büro Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf mit „arbos landscape GmbH“ aus Hamburg. Dies hat das Preisgericht nach intensiver Prüfung und Diskussion entschieden. Der Erstplatzierteerhält ein Preisgeld in Höhe von 42.500 Euro.

25.500 Euro gehen an die zweiten Preisträger: „bjp | bläser jansen partner GbR“ aus Dortmund in Zusammenarbeit mit „KRAFT.RAUM“ aus Düsseldorf. Den dritten Preis erhalten „Wienstroer Architekten Stadtplaner PartGmbB“ und „rheinflügel severin“ aus Düsseldorf sowie „scape Landschaftsarchitekten GmbH“, ebenfalls aus Düsseldorf, mit 17.000 Euro. Die Betreuung des Wettbewerbsverfahrens hatte das Dortmunder Büro „postwelters + partner mbB“ übernommen.

Das Preisgericht war mit Vertreterinnen und Vertretern des Investors, der Stadtverwaltung und der politischen Fraktionen besetzt. Die Jury wurde komplettiert durch hochqualifizierte unabhängige Stadtplanerinnen und -planer sowie Landschaftsarchitektinnen und -architekten. Den Vorsitz der Preisgerichtssitzung hatte Professor Andreas Fritzen Architekt und Stadtplaner aus Köln, übernommen.

Die Entwürfe aller Wettbewerbsteilnehmenden können noch bis zum 13. März 2026 auf der Homepage von „postwelters + partner“ (https://www.post-welters.de/projekte/wettbe) abgerufen werden. Darüber hinaus sind die Unterlagen zu dem Projekt und zum Siegerentwurf ebenfalls bis Freitag, 13. März 2026, während der Öffnungszeiten der Verwaltung (www.eschweiler.de) im Foyer des Rathauses zu sehen.

Die Projekt Dreiers Gärten GmbH wird nun in enger Abstimmung mit der Stadt Eschweiler einen Auftrag zur weiteren Konkretisierung und Entwicklung eines städtebaulichen Masterplans erteilen. In diesem Rahmen dürfte es noch Änderungen des siegreichen Entwurfs geben - ein üblicher Entwicklungsprozess.  Der städtebaulich prämierte Beitrag im Wettbewerbsverfahren ist somit nicht das „endgültige Umsetzungsergebnis“, er bietet aber eine hervorragende Grundlage für die Weiterentwicklung.

Auf diese Weiterentwicklung freut sich Investor und Projektentwickler Esat Turan schon sehr, wie er bei der offiziellen Präsentation des Siegerentwurfs im Eschweiler Rathaus betonte: „Wir werden das Projekt sehr erfolgreich realisieren.“ Und konkret kündigte er an: „Unser Ziel ist es, im Laufe des nächsten Jahres mit dem ersten Bauabschnitt zu beginnen. Der zweite würden dann 2028 folgen.“

Die Stadt Eschweiler, die von Turan für die gute Zusammenarbeit ausdrücklich gelobt wurde, wird ihn dabei bestmöglich unterstützen. „Wir werden als Stadt Eschweiler alles dafür tun, dass das Projekt möglichst bald umgesetzt werden kann“, versichert Bürgermeister Patrick Nowicki.

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So beurteilt die Jury den Planungsentwurf des siegreichen Büros: „Die städtebauliche Figur des neuen Quartiers Dreiers Gärten wird durch den großzügigen, mittig in Nord-Süd-Richtung angelegten Retentionspark geprägt, an den sechs Cluster angelegt sind. Ergänzt wird dieser Freiraum durch einen weiteren Grünzug in Ost-West-Richtung vom Friedhof im Westen bis zum neuen Retentionsbereich im Osten. Durch diese städtebauliche Setzung entsteht eine lange Abwicklungslinie an Grün, so dass eine Großzahl der Wohnlagen vom direkten Bezug zum öffentlichen Freiraum profitieren können.

Das Quartier vernetzt sich sowohl über Frei- als auch über Verkehrsräume gut mit der Umgebung. Neben den großen grünen Achsen entstehen zwischen den Clustern grüne Fugen, die weitere Anknüpfungspunkte an die Nachbarschaft ermöglichen. Der Anschluss an den städtebaulichen Entwurf im Westen ist gut gelöst. Durch die leichte Verkippung der Grünräume und die Setzung von städtebaulichen Akzenten an den richtigen Stellen wird ein differenziertes Raumgefüge bei einer gleichzeitig guten Orientierbarkeit geschaffen. Kritisch gesehen wird das unmittelbare Aufeinandertreffen von grüner Acse und kleinteiliger Bebauung am Südende. Der zum Grünzug orientierte, vom Durchgangsverkehr freigehaltene Quartiersplatz wird positiv bewertet.

Schollenartig umspielen Cluster unterschiedlicher Größe den zentralen Grünzug. Ihre zueinander leicht geneigte Ausrichtung schafft räumlich anenehme Konturen zu diesem Grünraum hin. Die Haupterschließung in Ost-West-Richtung wird am westlichen Grundstücksrand geschickt umgelenkt und bildet am nördlichen Abschluss des Grünzugs einen zentralen Orientierungspunkt mit Quartiershaus und –platz. Schlüssig schließt ein Band aus Gewerbe- und Wohngebäuden im Norden das Quartier räumlich ab und schafft zusammen mit den Kleingärten einen angemessenen Puffer zur Autobahn.

Die in dieses Band eingebundenen Reihenhäuser werden von der Jury kritisch diskutiert. Die weiteren Wohncluster werden funktional richtig und sparsam über Schleifen bzw. Stichstraßen erschlossen. In Tiefgaragen wird der ruhende Verkehr für die Geschosswohnungen, der für die Einfamilienhäuser innerhalb der Cluster in Hausnähe ausgewiesen.

Die Qualität der Cluster wird allgemein positiv beurteilt. Kleinteilige Strukturen schaffen vielfältige Angebote für nachbarschaftliche Begegnung. Ihre Struktur bietet gute Voraussetzungen für eine flexible Ausgestaltung und zur Anpassung der Nutzungsverteilung zwischen Einfamilienhaus- und Geschosswohnungstypologien. Hinsichtlich verkehrlicher Bedarfe sowie weiterer Flächen für Fahrräder, Müll etc. sind sie weiter zu qualifizieren.“

Bild: Das hochkarätig besetzte Preisgericht hat den Entwurf von Thomas Schüler (Mitte) und seinem Büro zum Sieger des Realisierungswettbewerbs gekürt. Darüber freuen sich auch Investor Esat Turan (2. von links) und Bürgermeister Patrick Nowicki (3. von rechts). Foto: Stadt Eschweiler/Michael Grobusch