Perspektivwechsel: Fluchterfahrungen im Escape Room


Das Stresslevel ist bereits nach kurzer Zeit sehr hoch: Die unbekannte Umgebung, die fremde Sprache, eine wild gestikulierende Grenzbeamtin, das ständig klingelnde Telefon und ein laut dröhnendes Radio schaffen eine Atmosphäre, die die Hilfesuchenden vor eine – weitere - große Herausforderung stellen. Sie sind aus ihren Heimatländern geflüchtet und bitten nun um Aufnahme und Schutz.

Das Land, in das sie gekommen sind, heißt „Republik Fremdistan“. Zumindest in der spielerischen Begegnung, die der Escape Room in der Villa Faensen bietet. Noch bis zum 11. Oktober 2026 setzt das Sozialamt der Stadt Eschweiler dort das Konzept des interaktiven Escape Rooms der Flüchtlingshilfe Bonn um und lädt Bürgerinnen und Bürger dazu ein, die Herausforderungen einer Flucht- und Migrationserfahrung auf ungewöhnliche Weise nachzuempfinden. Die Aktion findet im Rahmen der Interkulturellen Wochen in der Städteregion Aachen statt.

Die Teilnehmenden lösen in insgesamt drei Räumen gemeinsam Rätsel und erleben dabei spielerisch, wie sich Orientierungslosigkeit, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede anfühlen können. Ziel ist es, Empathie zu fördern und den interkulturellen Austausch zu stärken. Konkret geht es darum, sich anzumelden und eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen, nach deren Genehmigung im Dunkeln eine Bushaltestelle zu finden und von dort aus dann in die zugeteilte Sammelunterkunft zu fahren.

„Dabei entstehen echte Stresssituationen, auch wenn es sich nur um ein Spiel handelt“, weiß Lina Wichert. Die Leiterin des städtischen Quartiersmanagements in Eschweiler-West hat den Praxistest selbst gemacht und zeigt sich beeindruckt: „Für uns als in Deutschland Lebende ist es schwer, sich in die Situation von Menschen zu versetzen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Der Escape Room bietet die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und zumindest in Ansätzen nachzuvollziehen, wie es sich anfühlt, in ein fremdes Land zu kommen und dort mitunter auch auf Vorurteile zu stoßen.“

Das ungewöhnliche Format und die mit ihm verbundene aktive und interaktive Teilnahme hat schon im Vorfeld viel Aufmerksamkeit erregt und spricht verschiedene Ziel- und Altersgruppen an. Die Nachfrage ist sehr groß, deshalb stehen nur noch wenige freie Zeitfenster zur Verfügung. Grundsätzlich richtet sich der Escape Room an Gruppen von bis zu sechs Personen, aber auch Einzelpersonen können mitmachen. Die Teilnahme in der Villa Faensen dauert etwa 60 Minuten. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es bei Lina Wichert – telefonisch unter 02403/7499133 oder per E-Mail an lina.wichert@eschweiler.de.

„Der Escape Room in der Villa Faensen ist von der Abteilung für Soziale Quartiersentwicklung mit viel Aufwand und großer Begeisterung organisiert und aufgebaut worden“, lobt Demet Jawher, Leiterin des Amtes für Soziales, Senioren und Integration, das Engagement ihrer Kolleginnen und Kollegen. „Sie haben versucht, das Storyboard der Flüchtlingshilfe Bonn zu übernehmen und den Escape Room hier in Eschweiler möglichst gut, aber dennoch mit geringen finanziellen Mitteln nachzubauen. Das ist hervorragend gelungen.“

Foto: Stadt Eschweiler/Michael Grobusch