Kinzweiler Burg

Von der rheinischen Wasserburg Kinzweiler im gleichnamigen Stadtteil ist heute nur noch die Hauptburg erhalten. Es handelt sich hierbei um eine unregelmäßige, dreiflügelige Backsteinanlage. Beim Umbau der Burg Mitte des 18. Jahrhunderts durch den Jülicher Herzog Karl Theodor erhielt die Burg ihre heutige barocke Gestalt, es wurde jedoch auch Bausubstanz eines gotischen Vorgängerbaus mit einbezogen. So stammt zum Beispiel das aus Bruchstein bestehende Kellergeschoß des Gebäudes aus mittelalterlicher Zeit und im südlichen Seitenflügel sind mehrere gotische Quersprossenfenster erhalten, während in der Hauptburg ansonsten Stichbogenfenster eingebaut wurden.

Die beiden Vorburgen der ehemals dreiteiligen Anlage wurden leider im Jahre 1970 vom damaligen Eigentümer abgerissen, so dass sich nicht mehr feststellen lässt, ob und inwieweit hier mittelalterliche Bausubstanz erhalten war.

1234 wird ein Winrich von Kinzweiler als erstes Mitglied seiner Familie urkundlich erwähnt. Die Familie war damals im Besitz zweier Motten, und zwar auf dem Kalvarienberg und auf dem Mühlenbongert. Als Motte wird eine frühmittelalterliche Form der Burg mit einem Wehrturm auf einem künstlich angelegten Hügel bezeichnet. Sie war in der Regel von einem Graben umgeben sowie einem vorgelagerten Wohn- und Wirtschaftsbereich, ebenfalls mit Zaun und Graben geschützt.

Kinzweiler Burg mit Burgweiher1420 kaufte Werner von Palant die Motten von den Erben der Familie Kinzweiler. Es wird angenommen, dass zu dieser Zeit die Burg Kinzweiler am heutigen Ort gegründet wurde, da die Motten nicht mehr zeitgemäß waren. Die frühen Teile der Kinzweiler Burg stammen aus dieser Zeit. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzer (durch Heirat, Erbschaft und Kauf). Im Jahre 1928 kaufte der EBV die Burg und veräußerte sie1956 an die Rechtsvorgängerin der heutigen Rheinbraun AG.

1981 kauften fünf Familien das Anwesen und die Hauptburg wurde in fünf Wohnungen aufgeteilt. Bei diesen umfangreichen Umbauarbeiten ging viel von der originalen Bausubstanz verloren. Bis auf zwei barocke Stucksäle, ein mit dunkler Eiche getäfeltes Empire-Zimmer aus napoleonischer Zeit, ein Schlafzimmer im oberen Stockwerk und ein Badezimmer im Keller sowie den alten Eichenbalken, die in den neuen Zwischendecken Verwendung fanden, wurde das Gebäude innen völlig neu gestaltet.